#117 Beratung Bergsteigen mit Kind

Shownotes

In dieser Folge des Bergzeit Podcasts dreht sich alles um das Thema „Wandern und Bergsteigen mit Kids“. Host Jan spricht mit Sabrina Höflinger, Communications Managerin, Mama, Kletter- und Bouldertrainerin sowie aktive Einsatzkraft der Bergwacht Bayern, darüber, wie Familien gemeinsam die Berge erleben können. Warum lohnt es sich, die Kinder schon früh für das Outdoor-Abenteuer zu begeistern? Welche Herausforderungen und besonderen Momente erwarten Eltern beim Wandern mit dem Nachwuchs? Von der passenden Tourenplanung über Motivationstricks bis hin zur richtigen Ausrüstung – diese Folge steckt voller praktischer Tipps, bewegender Geschichten und ermutigender Erfahrungen für alle, die mit ihren Kindern neue Wege in den Bergen entdecken möchten.

Mehr aus dem Inhalt & Timecodes:

  • [04:43] Tourenplanung mit kleinen Kindern
  • [06:54] Bergsport mit Kindern gestalten
  • [10:37] Umgang mit kindlicher Langeweile
  • [13:58] Sichere Bergwanderungen mit Kindern
  • [19:50] Wanderwege für Kinder entdecken
  • [21:16] Spiele und Fantasie mit Kindern
  • [25:03] Kinder und die passende Outdoor-Ausrüstung
  • [27:35] Tipps zur Auswahl von Babytragen
  • [30:42] Der Weg ist das Ziel

Nützliche Links

[Hier geht's zu weiteren Inhalten im Bergzeit Magazin, passend zum Thema:] (https://www.bergzeit.de/magazin/wanderschuhe-und-bergstiefel-fuer-kinder-eine-kaufberatung/)) (https://www.bergzeit.de/magazin/huettenwanderung-mit-kindern-die-fuenf-schoensten-huetten/)) (https://www.bergzeit.de/magazin/draussenspiele-winter-kinder/)) (https://www.bergzeit.de/magazin/produkttips-wandern-kinder/))

[Hier geht's zur passenden Ausrüstung für Kinder:] (https://www.bergzeit.de/kinder/))

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Transkript anzeigen

Speaker A: Der Bergzeit Podcast ist dein Podcast für mehr Bergzeit. Egal ob neben dem Gipfelkreuz oder auf dem Weg ins Büro. Wir wollen die Berge zu dir bringen, immer

Sabrina Höflinger: und

Jan: überall. Servus zusammen und herzlich willkommen zu 1 neuen Beratungsfolge des Bergzeitpodcast. Ich bin Jan, euer Bergzeit Host und heute geht's ein Thema, das vor allem die Familys da draußen interessieren dürfte, und zwar wandern und Bergsteigen mit Kids. Und weil ich selber noch keine Kids hab und nur ab und an mal den Kraxendienst übernehmen darf, hab ich mir natürlich wieder wortkräftige Unterstützung aus unseren eigenen Bergzeit reingeholt. Mir gegenüber sitzt unsere Communications Managerin Sabrina Höflinger. Servus Sabrina, schön, dass Du da bist.

Sabrina Höflinger: Cool Jan, vielen Dank für die Einladung. Ich freu mich.

Jan: Sabrina, jetzt kann man sich natürlich fragen, warum bist Du als Communication Managerin die Expertin für dieses Thema? Und ich glaub, mit Kids braucht man wahrscheinlich auch gute Kommunikationsskills, aber Du bist ja noch viel, viel mehr als nur diese Rolle bei Bergzeit. Magst Du dich unseren Hören vielleicht einfach selber kurz mal vorstellen?

Sabrina Höflinger: Ja, total gern. Ich bin eben als Expertin, als Mama heute hier. Also als Mama, die mit den Kindern total gern in den Bergen ist. Ich bin aber auch Kletter- und Bullertrainerin und aktive Einsatzkraft der Bergwacht Bayern und damit einfach neben meiner Tätigkeit bei Bergzeit einfach total viel in den Bergen unterwegs.

Jan: Und ich glaube, das beschreibt halt optimal, weil Du alle Rollen son bisschen verbindest. Also Du bist privat superaktiv in 'nem ganzen bunten Bergsport Themenstrauß. Du bist ehrenamtlich superaktiv mit dem Bergwachtdienst. Du hast beruflich mit deinem Job hier bei Berkseit damit zu tun, aber halt eben auch am Allerwenigsten, Du bist als Mum eben mit deinen Kids in den Bergen unterwegs und ich glaube, genau deswegen passt's so gut. Lass uns mal son bisschen generell drüber sprechen, erklär mir als jemand, der noch keine Kids hat, warum lohnt sich's überhaupt, mit Kids in die Berge zu gehen? Was ist cool daran oder wie profitieren die vielleicht auch davon?

Sabrina Höflinger: Das ist eine megagute Einstiegsfrage, die frag ich mich tatsächlich selber manchmal. Warum tun wir das? Nee, Quatsch, es macht einfach total viel Spaß und ich glaub, wir als Eltern fungieren für die Kinder ja so als die ersten Vorbilder. Also es ist biologisch begründet, das heißt, Kinder finden das automatisch erst mal cool, was die Eltern machen. Und das sei es jetzt darum, wenn jemand gerne Musik macht oder auch Schach spielt oder eine ganz eine andere Sportart macht. Die Kinder, die möchten da erst mal nacheifern, möchten dabei sein, möchten sehen, was die Eltern da machen. Und meine Kinder sind halt auch aufgrund von meinem Bergwachtdienst oft mit in den Bergen dabei. Und da ja, haben die einfach Spaß dran. Nur es ändert sich halt einfach das Berggeschehen oder auch die Tourenplanung. Da ändert sich ganz viel mit den Kindern. Und das macht's aber nicht schlechter, sondern einfach anders, spannender. Man darf 'n bisschen mehr Flexibilität einplanen. Man darf sich auch neue Ziele setzen und ich glaub, man darf auch wieder 'n Stück weit mehr ins Erleben kommen. Das ist ja was, was uns die Kinder grundsätzlich lehren, dass man 'n bisschen mehr in den Moment zurückkommt und nicht so sehr an 'nem Ziel nachhastet, sondern einfach ja, das erlebt, was jetzt gerade hier im Moment Sache ist. Sei es irgendwie eine Schnecke am Wegesrand, einen Baumstumpf, den man zum Runterhüpfen entdeckt. Also es ist Entschleunigung für das, was manche viel Geld bezahlen, hat man mit Kindern am Werk ganz automatisch.

Jan: Ja, voll cool. Wir werden über all diese Themen jetzt auch gleich noch mal im Detail sprechen, also Tourenplanung, Ausrüstung, Motivationsfaktoren, all diese Themen. Gibt's einen son Erlebnis, wo Du sofort zurückdenken musst, was Du mit deinen Kindern bisher hattest am Berg, wo Du sagst so, hey, das ist mein schönstes Bergerlebnis mit Kindern? Jein. Also es gibt total viele schöne Erlebnisse, aber wenn ich jetzt an das letzte Wochenende zurückdenke, habe ich mit meinen Kindern das 1. Mal eine Gams gesehen. Mhm.

Sabrina Höflinger: Also denke, habe ich mit meinen Kindern das 1. Mal eine Gams gesehen. Mhm. Alter oder sie haben zum ersten Mal mit uns gemeinsam eine Gams gesehen und das war natürlich 'n besonderes Erlebnis. Son Wildtier, das man sonst vielleicht aus Wirmelbüchern kennt, tatsächlich mal an uns vorbeigaloppieren zu sehen. Und das war natürlich total spannend und 'n schöner Moment.

Jan: Ja, glaub ich. Dann lass uns mal son bisschen mit den Basics reinstarten. Ich glaube, viele, die frisch Eltern werden, dann sind die Kids irgendwann mal in dem potenziell möglichen Tourenalter, haben wahrscheinlich am Anfang son paar Dinge im Kopf, dann probiert man's aus. Und in der Praxis stellt sich dann raus, es ist komplett anders als in der Theorie gedacht. Was ist so dieses eine große Ding, was alle wahrscheinlich am Anfang falsch einschätzen, was wir jetzt schon mal mit aufn Weg geben können, wo man sagt, das wird definitiv anders sein, als man sich's vorstellt?

Sabrina Höflinger: Zeit.

Jan: Zeit. Also quasi die Zeit, die man einplanen muss.

Sabrina Höflinger: Die Zeit, die man einplanen muss, aber auch die Zeit, die man insgesamt für Touren ins Auge fassen kann. Und weil Du gesagt hast, wann sind Kinder in 'nem tourenfähigen Alter? Also ich hab meine Kinder halt schon relativ früh in der Trage mitgenommen und das ist wirklich das unkomplizierteste Alter, solang man sich einfach Nahrung, Wärmeerhalt et cetera, also diese Grundbedürfnisse kümmert, weil meistens Schlafen die 'ner Trage so in 'nem Säuglingsalter und da hat man so in meiner Erfahrung nach noch die größere Flexibilität oder Möglichkeit. Und sobald die im tourenfähigen Alter sind, wollen die ja auch selber gehen oder wollen die auch irgendwie 'n Mitspracherecht haben, wo geht's hin? Und dann wird's natürlich bisschen komplexer und Zeit ist insofern 'n Faktor. Ich mein, 'n Kind schläft auch nicht ewig in der Trage, kann auch nicht ewig in der Trage sitzen, genauso wenig in der Kraxse. Die brauchen einfach irgendwann wieder Bewegung. Und für uns ist sone gute Hausnummer eine Stunde, anderthalb Stunden als Zielsetzung, zum Beispiel zu 'ner Alm oder zu 'nem kleinen Gipfel.

Jan: Mhm.

Sabrina Höflinger: Und das ist was, was wir am Anfang einfach 'n bisschen, ich glaub, unterschätzt haben, weil normalerweise so Du und ich in 'ner Stunde ist nicht so viel runtergerissen. Also wir haben so früher eigentlich andere Ziele gehabt und das ist halt jetzt ja 'n Punkt, der sich geändert hat, aber auch total in Ordnung ist, weil ich lieb's auch, auf der Alm zu sitzen und Kaiserschmarrn zu essen.

Jan: Ja, ja. Ja, ich glaub, das ist 'n spannender Punkt, den Du grad ansprichst, weil kommt natürlich auch voll drauf an, aus welchem Bergsport Background kommst Du, oder? Also ich glaube, wenn Du zum Beispiel mit deinen Kindern erst mal anfängst, da voll einzutauchen, dann hast Du ja ganz andere, ich sag jetzt mal, Grundvoraussetzungen als wie wir 2, die das halt ja irgendwie schon gefühlt 'n Leben lang machen, oder? Und Du kommst von früher gefühlt 1000 Höhenmeter die Stunde zu halt jetzt dann 150 in der Stunde oder so. Das ist natürlich eine komplett andere Grundvoraussetzung, mit der Du dann eine Tour planst, egal ob jetzt Kinder dabei sind oder nicht. Uns mal kurz bei den Altersgeschichten bleiben, weil ich hab in der Recherche für die Folge sone ganz grobe Einteilung gefunden. Also quasi so wirklich dieses Kleinkindalter mit Trage, Kraxse, dann so Vorschulalter, Grundschulalter, jugendlich. Würdest Du das mitgehen von der Unterteilung her? Oder sagst Du, macht wenig Sinn, weil die Grenzen sind irgendwie fließend?

Sabrina Höflinger: Die Grenzen sind tatsächlich fließend, aber eine grobe Einordnung brauchst Du schon, weil je älter die Kinder werden, je fitter, je mehr koordinative Fähigkeiten sie mitbringen, je mehr Interesse, umso komplexer dürfen auch die Touren sein oder umso länger, umso höher oder umso spannender. Also ab 'nem Alter von 10, 12 Jahren darf's natürlich auch 'n Klettersteig sein. Und ich glaube, es kommt auch eben drauf an, was mach ich am Berg mit den Kindern? Wir haben jetzt hier von Bergsport gesprochen, aber Bergsport ist ja viel mehr als Wandern, von dem ich jetzt am Anfang mit Drag am Kraxel gesprochen hab, sondern viele oder auch ich hab die Kinder am Anfang gleich mit an den Kletterfelsen genommen oder auf Radeltour im Anhänger. Also Bergsport ist ja nicht gleich Bergsport und das verändert sich einfach je nach Kindern. Es wird sicherlich auch bei uns mal Phasen geben, wo die überhaupt keinen Bock haben, wo die sagen, Mama, ich hasse wandern. Ja. Ja, Und das muss nicht das Teeniealter sein. Das kann dem Teeniealter passieren, dass die da einfach 'n bisschen in Anführungsstrichen fauler werden oder halt nicht mehr so viel Interesse haben. Und das ist, glaube ich, 'n Grundthema oder eine Grundannahme, der ich mir bewusst sein muss. Ich habe als Elternteil einfach die Verantwortung für mein Kind und für die Versorgung der Bedürfnisse und auch für den Charakter dieses kleinen Menschen. Also die haben sich das ja nicht ausgesucht, die eifern uns nach, die haben dann vielleicht auch irgendwie 'n eigenes Interesse am Berg, aber es wird jetzt kein vier-, fünf-, sechsjähriges Kind morgens aufstehen und sagen, Mama, heute will ich irgendwie, keine Ahnung, auf die Sehkaspitze gehen oder so. Also Ja. Das kommt ja immer von uns Eltern. Wir haben uns als Eltern ausgesucht, dass wir Kinder haben wollen. Wir haben uns als Eltern ausgesucht, wir wollen mit ihnen in die Berge gehen. Das heißt, wir haben auch die Verantwortung dafür, dass wir Touren aussuchen, die gerade ihrem Naturell, ihrem Charakter, ihrem Können und ihrer Altersstufe entsprechen. Mhm. Ja, weil

Jan: sonst kann ich mir vorstellen, kannst Du's auch ganz schnell versauen eigentlich, oder? Wenn mal sone Tour richtig, richtig schiefgeht und es wird fürn Kind sone Horrorerfahrung, dann kriegst Du's wahrscheinlich für eine Zeit lang halt gar nicht mehr 'n Berg.

Sabrina Höflinger: Ja, ja, total, also total verständlich und es kann ja dann auch bald gefährlich werden. Also wenn ich dann irgendwie les, ich weiß nicht, vor 2 Wochen oder so, hat die Bergwacht Oberstdorf 'n total erschöpftes, übermüdetes und auch gesundheitsgefährdetes Kind vom Berg geholt, weil's die Eltern überschätzt haben. Das soll jetzt kein Shaming sein, aber das ist was, da krieg ich schon irgendwie 'n bisschen Puls, weil ich mir denke, man muss als Eltern einfach immer die Bedürfnisse vom Kind im Blick haben. Also man darf da nicht seine eigenen Bedürfnisse, sein Gipfelziel oder so über die Bedürfnisse des Kindes stellen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Und dementsprechend kann ich dann je nach Alter die Tourenkomplexität oder Schwierigkeit anpassen.

Jan: Ja, ich hab da vor paar Tagen 'n schönen Satz dazu gelesen, weil's eben auch 'n Artikel in der Alpine dazu gab, hey, Kinder sind halt keine kleinen Erwachsenen, die mit auf Tour sind, sondern Ja. Sie sind Kinder.

Sabrina Höflinger: Ja, ja, total.

Jan: Und haben halt eben ihre speziellen Bedürfnisse,

Sabrina Höflinger: ne? Das ist wie im Restaurantbesuch. Also Kinder sind so lange erwünscht, solange sie klein erwachsen sind und brav lieb und ruhig am Tisch sitzen. Und genauso ist es bei der Bergtour. Die haben halt ihre eigenen Bedürfnisse und darauf muss ich mich halt einlassen und muss es eingehen und muss halt vielleicht dann selber Abstriche machen in meinem eigenen Empfinden. Und ich finde und zum handhaben wird das, zumindest in unserer Familie jetzt, also mein Mann und ich, wir unterscheiden schon zwischen Familie im Bergerlebnis und eigenen Bergtouren oder eigenem Training, Sport und so weiter. Das heißt, wenn wir als Familie unterwegs sind, dann ordnen wir uns zu diesen Befindlichkeiten der Kinder unter und dann gibt es aber natürlich Zeiten, wo mein Mann oder ich alleine am Berge unterwegs sind und uns da auspowern können, so wie wir gerade lustig sind. Und ich glaub, das hilft schon zu unterscheiden, weil dann muss ich nicht dieses Sport Bewegungstrainingsbedürfnis, das ich hab, dem Kind überstülpen, wenn wir gemeinsam am Berg unterwegs sind.

Jan: Ja, das macht Sinn. Aber lass mal bei dem Sicherheits- und Motivationsthema bleiben, weil das, was Du jetzt so erzählst, macht in meinen Ohren superviel Sinn. Ich stell's mir nur teilweise extrem komplex vor, was Du den Kindern ja unterwegs auch mitgeben magst. Weil ich denk mir zum Beispiel, jetzt seid ihr unterwegs und dann kommt ja irgendwann vielleicht mal der Satz, mir ist langweilig, ich kann nicht mehr, wie lang dauert's noch? So und in meinem Kopf ist jetzt so dieses Thema, hm, Sabine hat mal gesagt, sich den Bedürfnissen unterordnen. Also eigentlich, wenn dieser Satz kommt, ich kann nicht mehr, müsst ich ja sofort dann denken, dreh ich jetzt Auf der anderen Seite denk ich mir dann, okay, will ich meinem Kind aber nicht irgendwie so einen Wert vermitteln wie Ausdauervermögen, so, hey, man muss sich auch mal durchbeißen, weil oben gibt's dann dafür eine Belohnung und so. Also ist es einfach diese Feindfähigkeit, die man irgendwann als Elternteil hat, als Papa oder Mama, wo man sagt, ich kenn mein Kind gut genug, das ist grad einfach nur einen, ich kann nicht mehr, aber geht schon noch was? Oder also weißt Du, worauf ich hinauswill? Wie wie wie macht man das? Wo ist die Grenze? Ja, genau. Woher hab ich dieses Feingefühl?

Sabrina Höflinger: Total. Das Feingefühl, das entwickelst Du sowieso im Umgang mit deinen Kindern. Also das ist ja nicht die einzige Challenge, die Du mit deinen Kindern haben wirst. Und als Elternteil darf man oder muss man natürlich klarführen und trotzdem liebevoll empathisch wertschätzen und auf Augenhöhe sein. Das ist auch son Grundsatz, denke ich, der ja auch unserer Generation zugutekommt. Also wir haben ja auch unseren Umgang mit den Kindern schon verändert im Vergleich zu unseren Eltern und zu unseren Großeltern. Jede Generation entwickelt sich da weiter. Und das gilt am Berg natürlich genauso dieses Feingefühl dann ja auszutesten und Du hast deine Strategien. Du kennst dein Kind gut genug und weißt dann, wie Du's motivieren kannst und es kommt natürlich auch immer auf deine Ressourcen an. Also wenn Du einfach selber mit deinen Ressourcen oder Nerven grad am Ende bist, dann hilft es überhaupt nix, sich da irgendwie mit 'nem Kindern auseinanderzusetzen und dann sagst Du, hey, ich seh dich, Du bist k o, Du bist müde, Du möchtest nicht mehr. Komm, lass uns eine Pause machen und gemeinsam entscheiden, wollen wir weitergehen oder ist es heute klüger, dass wir wieder umdrehen? Und wenn Du weitergehen möchtest oder wenn Du halt siehst, okay, das ist jetzt grad einfach nur sone Nörgelphase und diese Frage, die Du anfangs beschrieben hast, die kommt meistens früher als später. Wie lange noch? Ich hab Hunger, ich hab Durst, können wir eine Pause machen? Ja, all about Snacks, sag ich da bloß, ja.

Jan: Ja, okay.

Sabrina Höflinger: Also so viele Pausen, zu viele Snacks wie halt nötig und dann geht's halt auch dieses Spielerische, weil Kinder finden ja nichts langweiliger als diesen für uns vermeintlich einfachen Forstweg. Ja. Also das wir denken irgendwie, wir tun den Kindern einen Gefallen damit, wenn wir in einen Forstweg gehen, weil der ist einfach, der ist leicht. Nee, das ist für die einfach superstupide und langweilig und da wird's nach 5 Meter passieren, dass sich das Kind am Boden setzt und sagt, ich hab keinen Bock mehr.

Jan: Mhm. Es muss

Sabrina Höflinger: was Spannendes sein. Es muss irgendwie 'n 'n schmaler Steig sein, wo man son bisschen auch hochklettern muss oder son bisschen über die Wurzeln steigen, wo's was zu entdecken gibt. Da haben die Kinder Bock drauf.

Jan: Mhm. Ja, da da müssen wir gleich noch mal näher drauf eingehen. Ich hab noch eine Frage zu diesem Sicherheitsthema, weil dieses ja Thema Feingefühl, ich glaub, das ist auch da superrelevant. Wie sprichst Du mit deinen Kindern über objektive Gefahren, die's in den Bergen einfach gibt, ohne ihnen Angst zu machen? Also Du musst ihnen ja irgendwo erklären, hey, schau mal, es ist trotzdem hier eine besondere Umgebung, aber Du willst sie ja auch nicht verunsichern, wenn ihr dort unterwegs seid. Hast Du da eine besondere Strategie dafür?

Sabrina Höflinger: Ich glaub, es ist ja sowieso wichtig, dass ich die Touren, hatten wir ja schon besprochen, dem Können des Kindes anpasst. Also ich geh jetzt mit meiner Vierjährigen nicht irgendwie 'n superausgesetzten, hochhalbinen Grat, wo es wirklich lebensgefährlich ist. Also da glaube ich, ist mein Herz als Elternteil gerade schon noch sehr, sehr ausgeprägt und ich bin vielleicht manchmal sogar übervorsichtig, aber ich geh mit meinen Kindern einfach keine Strecken, die supergefährlich sind und wo es auch jetzt in dem Alter nötig ist, über große Gefahren und Konsequenzen zu sprechen. Nichtsdestotrotz haben wir grundsätzlich in unserer Beziehung son Verhältnis, dass ich über Gefahren mit meinen Kindern spreche, sei es im Straßenverkehr, sei es, wenn bei uns vom Haus der Traktor oder der Bulldog vorbeifährt, damit die überhaupt 'n Gespür für Gefahren entwickeln können. Und gleichzeitig gebe ich ihnen aber die Sicherheit. Also ich bin immer als Elternteil der sichere Hafen und ich bin immer die Person, auf die sie sich auch in Gefahrensituationen verlassen können. Das wissen sie grundsätzlich und das überträgt sich natürlich auch in die Bergwelt. Das heißt, die wissen, wenn ich sage, hey, hier passen wir auf, hier gehst Du an die Hand oder hier kommst Du auf die Seite oder hier nehm ich dich hoch, dann wissen die, okay, jetzt müssen wir einfach kurz aufpassen. Und dass in den Bergen was passieren kann, das kriegen sie ja bei mir sowieso schon mit mit dem Bergwachtdienst, die wissen, dass manchmal was passiert. Das wissen die aber auch, wenn die Feuerwehr vorbeifährt oder wenn die Polizei vorbeifährt, dann wissen die auch, oder braucht jemand Hilfe? Und gleichzeitig, da gibt's jemand, der helfen wird. Also es gibt quasi beides, es gibt 'n gewisses Gefahrenpotenzial und ich geborene ihnen mit, es gibt Personen, die dir helfen, es gibt Personen, die auf dich aufpassen, also sprich ich.

Jan: Also gibt's am Ende eigentlich sone Transferleistung normalen Lebenssituationen auf quasi die Situation am Berg? Ja. Ja, okay, das macht megaviel Sinn. Zurück zum Motivationsthema. Wir haben grad ja schon festgestellt, der Weg macht wahnsinnig viel aus und ich kann, wenn ich mich so an meine eigene Kindheit zurückerinner, 100 Prozent damit relaten, weil Wanderurlaub war immer dann irgendwie eher lame, wenn's halt echt so Forstwegzeugs waren. Und meine Schwester und ich waren immer, ich glaub, wir sagen dazu eher tatzelwurm, also quasi so kleine Miniwege, die irgendwie spannend sind mit vielen Kurven. Wie Du schon gesagt hast, Wurzeln, Steine, sonst was, können wir wahrscheinlich uns drauf verständigen oder dass der Weg wahnsinnig viel von der Motivation aus macht.

Sabrina Höflinger: Ja, ja, ja, also zu 100 Prozent, zumindest so in meiner Erfahrung oder Beobachtung. Und gleichzeitig, wenn der Weg irgendwie recht steinigfäelzig, wurzellig oder mit so Stufen zum Drüberkraxen ist, dann werden die auch schneller müde. Ja. Also natürlich gibt es so die Motivation und gleichzeitig muss man halt drauf achten oder das im Kopf haben und dann sind die auch schneller platt. Und das muss sich halt son bisschen die Waage halten, sei es eben durchaus häufiger Pausen erlauben in Anführungsstrichen, als wie wenn ich's mir selbst erlauben würde oder Snacks anbieten, Trinken anbieten, sodass die, weil son kleiner Körper verbraucht halt auch wahnsinnig viel Energie. Das unterschätzen wir, glaub ich, manchmal, was die da an Energie umsetzen, wenn die da so an Feier sind und irgendwo drüber klettern und kraxeln und irgendwie Wettrennenden Berg hoch machen.

Jan: Hast Du da eine Hausnummer, dass Du sagst, hey, keine Ahnung, alle halbe Stunde schau ich einfach, dass sie was trinken oder machst Du situationsabhängig?

Sabrina Höflinger: Das mach ich voll situationsabhängig. Okay. Also Trinken fordern sie meistens selbst, dafür haben sie 'n ganzen gutes Gespür dafür. Da darf ich aber auch als Elternteil mit Eltern und Snacks fordern die auch. Und ich bin dann tatsächlich auch 'n bisschen lockerer als wie im Tal zu Hause. Da gibt's halt nicht irgendwie eine halbe Stunde vorm Essen noch eine Banane und einen Schokokeks, sondern da darf man dann auf der Bergtische noch irgendwie seine Regeln, die man sonst vielleicht hat, 'n bisschen hinterfragen oder aufweichen.

Jan: Dann wird's ja auch wieder positiv verknüpft eigentlich auch 'n bisschen.

Sabrina Höflinger: Und eben auch Kompromisse eingehen. Also es ist ja immer irgendwie 'n Geben und Nehmen und wenn die grade das Gefühl haben, sie brauchen jetzt Energie nachschub, dann sollen die den kriegen.

Jan: Wenn ich jetzt sone Brotbox aufmachen würde, was wär da so drin auf Natur?

Sabrina Höflinger: Bei uns? Ja. In den allermeisten Fällen ist das eine ganz eine bunte, wilde Mischung. Also wir haben immer irgendwie Gemüsesticks dabei, die man so schnell reinschieben kann, irgendwie so

Jan: Klassische Rohkost einfach, oder?

Sabrina Höflinger: Ja, ja, so so gurke Paprika, die liefern jetzt zwar nicht viel Energie, aber das knabbern die halt voll gerne und ich hab so mein gesundes Gewissen beruhigt.

Jan: Ja, ja, voll.

Sabrina Höflinger: Dann natürlich auch so zuckerfreies Kekszeugs für die Kids, also die halt irgendwie mit Dattelsüße Mhm. Banane oder was auch immer gesüßt sind. Obst haben wir ganz viel dabei und klar, so der ein oder andere Schokokekste darf nicht fehlen. Also so die die kleine Sünde oder auch Gummibärchen. Ich meine, welcher Skikurs kommt im Winter ohne Gummibärchen aus? Ja, ja, ja, ja, ja, niemand so. Und dann ist das in dem Sinne, wenn sie sich hier auf viele bewegen, finde ich, ist es auch okay.

Jan: Wie stehst Du zu so, ich nenn's immer mal Erlebniswegen in den Bergen? Also quasi, wenn ich jetzt hier so im im Umkreis, gut, bayerische Verhalten von Kins will ich wahrscheinlich deutlich besser aus, aber ich weiß zum Beispiel irgendwie in Zöll gibt's da dieses Hexenwasser oder solche

Sabrina Höflinger: Steinplatte, Triasic Park.

Jan: Genau, stimmt. Solche Dinge. Da gibt's bestimmt auch wirklich Unterschiede, wie die jeweils aufgezogen sind, aber es gibt ja so die Kritikerstimmen, die sagen, so was hat in den Bergen nix verloren irgendwie? Warum Kinderspielplatz da oben?

Sabrina Höflinger: Mhm.

Jan: Und es gibt aber ja irgendwie das positive Lager, wo man sagt, hey, es trägt dazu bei, dass Familien in die Berge gehen, diese Welt entdecken und so weiter. Hast Du eine Meinung dazu? Ja.

Sabrina Höflinger: Also bevor ich Kinder hatte, war ich tatsächlich in diesem Lager, das Du beschrieben hast, der kritischen Stimmen, wo ich mir dachte, muss das auf 'nem Berg sein? Braucht es das wirklich? Und jetzt selber mit Kindern merke ich einfach, dass es schon cool ist. Und ich muss gleichzeitig sagen, ich glaube, wir waren bisher vielleicht ein oder zweimal an solchen Erlebnis Abenteuerspielplätzen oder wegen an den Bergen oben. Es ist schon auch immer 'n finanzieller Aspekt, muss man ja sagen. Also man muss da ja dann mit 'ner Bahn hochkommen und ich mein, sone Familienkarte mit der Bahn, das ist

Jan: Absolut.

Sabrina Höflinger: Kann sich nicht immer jeder so leisten. Und dann tun's natürlich auch so Erlebniswege im Tal und das find ich, ist 'n total schöner Kompromiss. Also ich denk jetzt grad zum Beispiel an den Wendelstein Männleinweg in Bayerisch Zelt zum Siegelhof hoch. Das ist irgendwie für mich, hat noch sonen bodenständigen Charakter. Da können die alle paar kehren, irgendwie sonen Zwergenwald entdecken, der einem dann wieder den Weg weist und dann am Ende gibt's einen Berggasthof mit 'nem kleinen Spielplatz und frei laufenden Tieren. Also das finde ich jetzt zumindest für unser Alter grad total spannend. Je älter das die werden, umso höher ist natürlich auch der Anspruch. Also was jetzt fürn vier-, fünf-, sechsjähriges Kind spannend ist, ist fürn zehn-, zwölfjähriges Kind wahrscheinlich total lame. Und da haben die schon ihre Daseinsberechtigung, grad, wenn man sie in die Berge ranführen möchte. Mhm. Und ich glaub auch, also wenn ich so jetzt an meine Erfahrung oder an die von meinem Mann zurückdenke, Du kommst mit 10, 12, 14 Jahren an den Punkt, da hast entweder Bock auf die Berge oder Du lässt es sein und findest vielleicht mit Mitte 20 eventuell noch mal zurück oder spätestens mit der eigenen Familie, wenn Du selber wieder Kinder hast. Aber da gibt's schon sonen Wendepunkt und da ändert auch son Abenteuerspielplatz nix dran, ob 'n Kind dann noch gerne im Teenie Alter in die Berge geht oder nicht.

Jan: Voll. Wie oft geiste Du auf so Motivationstricks zurück, so nach dem Motto, irgendwie so was wie Rollenspiele, deine Kids sind jetzt die Bergführer oder eben auch bei der Bergwacht wie die Mama und es gibt irgendwie einen Einsatz oder so und Du machst auf 'nem ganz normalen Weg halt plötzlich mit Fantasie 'n Abenteuer draus?

Sabrina Höflinger: Ich würd's jetzt gar nicht Trick nennen, sondern es ist einfach das das kindliche Erleben. Also es ist ja auch eine Einladung des Kindes, in seine Welt einzutauchen und dieses die Welt aus seinen spielerischen Augen zu erleben. Und manchmal ist es so, dass diese Einladung von den Kindern selbst kommt, die dann irgendwie sich son Fantasiespiel ausdenken. Und dann muss ich als Mama, als Papa halt drauf einsteigen, wenn ich möchte und wenn die Kapazitäten dafür da sind, so zum Gelingen der Tour beizutragen und manchmal ergibt sich das irgendwie so von alleine oder ich denk mir, oh, jetzt braucht's was und dann greif ich natürlich auf Spiele zurück, von denen ich weiß, die funktionieren immer. Das ist bei uns, ich sehe was, was Du nicht siehst. Das ist einfach so der, egal ob beim Autofahren oder auf der Bergtür, das Der Klassiker. Immer der Klassiker, der immer funktioniert. Und was auch bei uns ganz oft funktioniert, sind Dinge zählen, also entdecken und zählen. Wir hatten letztens sind wir in Erl auf die Kranzhornalm gegangen und ich glaub, wir haben 22 Ameisenhaufen gezählt. Also da haben die Bock drauf oder jetzt eben letztes Wochenende haben wir Bergsch schmetterlinge gezählt und entdeckt und immer wieder und geguckt, wer entdeckt den nächsten und wie viele haben wir schon gesehen? Und das ergibt sich dann son bisschen. Und wahrscheinlich hält sich das die Waage zwischen dem, was das Kind dir als Spiel anbietet und zwischen dem, was Du als Erwachsener dann doch noch 'n bisschen irgendwie aus der Tasche zaubern musst, die Motivation hochzuhalten.

Jan: Lass uns mal gegen Ende jetzt noch über ein ganz wichtiges Thema sprechen, nämlich Thema Equipment. Ich glaube, da kommen wir ja wirklich auch als Bergzahn einfach mit ins Spiel. Ja. Kann man grundsätzlich sagen, die Basisausrüstung ist gleich wie bei den Erwachsenen?

Sabrina Höflinger: Ja, die Basisausrüstung ist definitiv dem von den Erwachsenen relativ ähnlich, außer mehr Snacks.

Jan: Ja. Wobei.

Sabrina Höflinger: Und auch mehr Wechselklamotten.

Jan: Ja, okay.

Sabrina Höflinger: Aber sonst so diese ganzen Basics, was im Rucksack sein sollte, auch 1. Hilfemäßig et cetera, Wärmeerhalt, also auch irgendwie noch mal eine Jacke drüber, eine Regenjacke et cetera. Das sollte alles gleich sein und für die Kinder nehm ich definitiv Mehrwechselklamotten mit und einfach 'n bisschen mehr zum Schnabulieren.

Jan: Mhm. Wie schaut's aus mit den Schuhen? Ist wahrscheinlich von der Tour abhängig, oder?

Sabrina Höflinger: Ja, voll und auch vom Alter. Also grad bei den jüngeren Kindern nehmen wir ja gerne Barfußschuhe her, aber die haben ja dann vielleicht nicht son gutes Profil, wobei das vielleicht bei so leichteren Wegen auch gar nicht so so superrelevant ist wie bei Erwachsenen, weil wir uns ja eben nicht im hochalpinen, felsigen Gelände bewegen. Einfach, dass die eine gute Fußkoordination, eine gute Fußmuskulatur entwickeln Und dann machen zum Beispiel Adidas terrex oder auch Lover Superkinderbergwanderschuhe. Also auch schon für kleine Größen für irgendwie 23, 24, 25 Schuhgröße, was hier so supersüß klein ist. Ja, ja. Da machen die schon Bergschuhe, aber die haben auch schon eine festere Sohle. Das muss man halt dann gucken, wie weit oder wie gut ist diffus von meinem Kind schon entwickelt.

Jan: Mhm. Aber wenn er weit genug entwickelt ist, würdest Du schon sagen, dass es irgendwie Sinn macht, oder?

Sabrina Höflinger: Ja, total. War auch

Jan: schon in dem Alter.

Sabrina Höflinger: Also auch meine Zweijährige will ihre Bergwanderhose und ihre Bergwanderschuhe anziehen, wenn sie hört, wir gehen wandern. Also da kommt die dann nicht mit ihren normalen Turnschuhen daher oder barfußschuhen, sondern es hat auch irgendwie einen Zugehörigkeitscharakter. Sie will dann die Wanderhose, sie will die Wanderschuhe und auch irgendwie son Ausdruck der Vorfreude oder des Gemeinschaftsgefühls oder des ja Teil 1 Abenteuers sein, ja. Mhm.

Jan: Ist mitm Rucksack genauso?

Sabrina Höflinger: Ja, der Rucksack, der wird aber auch so im Alltag gerne gepackt. Also Okay. Rucksack packen finden die cool, machen die gerne. Die haben halt ihre kleinen Kita- oder Kindergartenrucksäcke. Die sind jetzt nicht mit 'nem Erwachsenen Wanderrucksack vergleichbar. Es gibt natürlich auch für Kinder grad von Leute ganz tolle Kinderwanderrucksäcke, die viele auch fürn Kindergarten hernehmen, also genau umgekehrt. Mhm. Ich glaube, es ist kein Muss. Also ich finde nicht, dass man eben, wie wir's vorher gesagt haben, die Kinder sind ja keine kleinen Erwachsenen, die müssen jetzt nicht so ausstaffiert sein, auch grad nicht mit so Hightechmaterialien oder Hightechausrüstung, wie wir das manchmal haben, weil wir ja eben nicht im Hochhaipinen unterwegs sind in der Regel oder erst auf 'nem gewissen Alter. Also man darf da schon die Kirre im Dorf lassen und einfach das nutzen, was man halt hat. Und die lieben es dann, ihren kleinen Rucksack zu packen und da ist ja dann 'n kleines Kuscheltier mit drin irgendwie und vielleicht die eigene Wechselhose.

Jan: Mhm. Also da geht's eigentlich mehr es ist halt irgendwas dabei Ja, ja. So, als dass sie wirklich sinnvoll irgendwas mitnehmen, oder? Ja.

Sabrina Höflinger: Und trotzdem finde ich's schön, wenn sie das einfach son bisschen für sich entdecken, wenn sie da freie Hand haben, was dürfen sie da reinlegen? Und die Große, die hat zum Beispiel bei unserer letzten Bergtour letztes Wochenende 'n riesigen Herzstein gefunden. Also der war sicherlich so handgroß und dementsprechend schwer. Und so der Deal war, sie darf ihn natürlich gerne mitnehmen, aber sie trägt ihn selber in ihrem Rucksack, hat sie gemacht und hat dann auch gemerkt, oh, das ist einfach mehr Gewicht, auch mehr Anstrengung. Also ist natürlich auch irgendwie 'n Erfahren oder 'n Erleben dabei.

Jan: Voll. Ja, oder am Ende auch wieder einfach 'n Lernfaktor oder man sagt, hey,

Sabrina Höflinger: dann Genau.

Jan: Nehm ich wieder was mit. Und auf der anderen Seite braucht's dann halt für euch dieses vorhin angesprochene Feingefühl zu sagen, weil sie wird ja wahrscheinlich jetzt nicht in dem Moment dann, wenn sie sich in Kopf setzt, will den Stein mitnehmen, wird sie ja wahrscheinlich auch über ihre Grenzen gehen, diesen Stein halt mitzunehmen, wo ihr dann wahrscheinlich wieder hättet eingreifen müssen, oder?

Sabrina Höflinger: Ja, ich mein, wenn der Stein 'n Brocken gewesen wäre und vielleicht nicht mal mehr in ihren Rucksack gepasst hätte, spätestens dann wär ein Einschreit nötig gewesen, weil wir erinnern uns, die Verantwortung liegt immer bei uns Erwachsenen und zwar ganz, ganz lange. Also also gibt's immer einfach 'n Gefälle zwischen Kindern und Erwachsenen oder Elternteilen und dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein.

Jan: Voll. Gibt's 'n Ausrüstungsgegenstand, den Du am Anfang immer vergessen hast? Wo Du sagst, okay, hatt ich einfach nicht aufm Schirm und dann irgendwann ist es aber Routine?

Sabrina Höflinger: Nee, ich glaub, als Elternteil packst Du eher immer zu viel ein als zu wenig. Also kann ich jetzt tatsächlich keinen benennen, weil also so Rucksack packen bist Du ja mit deinen Kindern schon ganz lang gewöhnt, egal ob Du als Kleinkind mit denen irgendwie aufm Spielplatz gehst oder zu 'nem neudeutsch Playdate. Mhm. Also Du hast ja immer irgendwie viel zu viel Zeugs dabei und so ist es meistens am Berg auch. Aber die Basics sind halt schon wichtig.

Jan: Vielleicht noch ein Thema, was für ganz, ganz viele da draußen, die jetzt zuhören, einfach spannend ist. Das ist ja auch immer das Thema Trage oder Kraxse. Mhm. Magst Du da vielleicht noch mal kurz dazu was sagen? Thema Sicherheit, auf was achten beim Kauf und so weiter?

Sabrina Höflinger: Also für die Trage würd ich mich immer noch von der Hebamme beraten lassen. Also bei 'ner Trage sprechen wir noch von 'nem Säugling und dann muss die einfach gut eingestellt, gut angepasst sein. Der Rücken muss gut gestützt sein, das Köpfchen muss gestützt sein, der Kopf sollte quasi knapp unterhalb von deinem eigenen Kinn sein, also nicht zu tief hängen. Und da berät noch die Hebamme, wenn ich da quasi schon größere Spaziergänge oder 1. Kleine Wanderungen machen möchte. Und bei der Kraxse ist es auf alle Fälle hilfreich oder sinnvoll, die vorher anzuprobieren. Also egal, ob ich jetzt in 'n Fachgeschäft, also bei uns zum Beispiel in Mund oder 'n großer Penis gehe und das einmal anprobiert oder auch wenn ich Gebrauch kauf, einfach probieren, weil die Kraxen, die kann man auch wahnsinnig viel verstellen in der Höhe, wie hoch sitzt das Kind, aber auch die träge et cetera. Und das Gewicht von 'ner Kraxi muss immer auf deinen Hüftknochen sitzen. Also die sollen nicht drunter sein, nicht zu tief und Du solltest nicht zu viel Gewicht auf den Schultern spüren, sondern das Gewicht sollte auf der Hüfte quasi aufliegen und dann auch hier mit den Bedürfnissen der Kinder gehen, manche Kinder hassen die Kraxe, ja. Dann verkaufe ich das Tal nach dreimal Ausprobieren wieder, weil's halt nix bringt und weil's bei allen nur für Frust sorgt. Deswegen viel, viel Raum für try and error lassen.

Jan: Mhm. Ja, ich glaub, das ist wahrscheinlich echt 'n wichtiger Tipp. Und dann, liebe Leute, lasst euch gesagt sein, das ist wirklich ein extrem gutes Training. Also ich muss sagen, ich bin da mit meiner in dem Fall wahrscheinlich bisschen überheblichen Trailrunner Ich bin fit Art zu dieser Kraxeln, ja gut, es wird schon wird schon nicht so schwer sein. Und hab mal dann mich ordentlich umgeschaut nach 500 Höhenmetern, dass es eine ganz andere Belastung ist. Und ich weiß gar nicht, glaub, wir haben im Shop auch Kraxeln, weil Du vorhin meintest, auch wenn man sie gebraucht kauft. Ich bin mir aber nicht sicher, schau das gerne mal selber nach. Ich meine aber schon unter den Rucksäcken, weil klar, dieses ganze Kinderbergsport Equipment Thema ist ja schon auch in den West, wo man sich überlegen muss, was geht man davon mit und was nicht, ne?

Sabrina Höflinger: Ja, genau. Was ist unbedingt nötig und wo reichen wirklich irgendwie niedrigpreisige Angebote?

Jan: Cool, perfekt. An der Stelle schon mal vielen, vielen Dank. Und damit ihr da draußen wie immer alle Tipps von Sabrina kompakt zusammengefasst bekommt, kommt hier unser Bergwissen zum Mitnehmen.

Speaker A: Bergwissen zum Mitnehmen.

Jan: Erstens, Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Tourenlänge, Tempo und Anspruch sollten sich immer an den Bedürfnissen des Kindes orientieren. Zweitens, der Weg ist wichtiger als der Gipfel. Abwechslungsreiche Wege, Spielmöglichkeiten und Entdeckungen sorgen für Motivation. Drittens, Pausen, Essen und Trinken sind entscheidend. Ausreichend Flüssigkeit mitnehmen und regelmäßige Brozeiten verhindern viele Stimmungstiefs. Viertens, positive Erlebnisse schaffen Begeisterung. Lieber eine kurze, schöne Tour als eine zu ambitionierte Unternehmung, die lange negativ in Erinnerung bleibt. Und fünftens, mit Kindern die Berge einfach neu erleben. Sabrina, ich hab eine letzte Abschlussfrage. Gibt's irgendwas, was Du von deinen Kindern über die Berge neu gelernt hast?

Sabrina Höflinger: Das ist eine coole Abschlussfrage. Ich glaube, noch mal mehr die Erinnerung, der Weg ist das Ziel. Also ich glaube, viele Bergsportler*innen so wie ich, sind sehr leistungsorientiert in den Bergen unterwegs gewesen. Und jetzt wieder in dieses Erleben zu kommen und auch diese Spielangebote von den Kindern anzunehmen und irgendwie aufm Weg Tannenzapfen zum Basteln zu sammeln und daran Freude zu haben und das nicht irgendwie als nervig zu empfinden, sondern das als wirklich schön zu empfinden, das hab ich bestimmt neu gelernt und find's jetzt auch richtig cool, mit den Kindern in 'ner anderen Geschwindigkeit und 'nem anderen Erlebensmodus, nicht Überlebensmodus, sondern Airlebensmodus unterwegs zu sein.

Jan: Ja, voll, voll schön. Ich find so manchmal sieht man schon krasse Parallelen auch noch bei seinen eigenen Bergsportsachen. Also da zumindest ich hab manchmal das Gefühl, wenn ich dann draußen unterwegs bin, bin ich fast eher wieder bisschen mehr Kind als halt so in meinem normalen Alltag. Weil Ja. Es kommt schon mal vor, dass ich dann irgendwo, egal bei welcher Bergsportart, aber draußen unterwegs bin und so voller Freude und Euphorie bin, dass ich irgendwie mal laut Jubel oder alles so ganz besonders wahrnehmen und mich dann schon auch wieder son kleines

Sabrina Höflinger: Von Baumstumpfen runterspringen. Ja, ja,

Jan: genau, voll oder man hüpft da irgendwie rum und so und ist halt voll in diesem Entdeckermodus. Und das ist ja schon eigentlich wieder son bisschen sich wie halt 'n Kind fühlen.

Sabrina Höflinger: Voll schön. Von

Jan: daher gibt's ja da schon echt viele Parelen und deswegen Darf

Sabrina Höflinger: man's sich schon immer mal wieder erlauben?

Jan: Ja, gern. Ich find's richtig schön, dass Du einfach gesagt hast, einfach wieder mehr in diesen Air Leben Modus kommen.

Sabrina Höflinger: Ja. Cool,

Jan: würd ich sagen, lassen wir genauso stehen. Vielen, vielen Dank für deine Zeit. Da waren megawertvolle Tipps auch dabei und ich hoff, es hilft euch da draußen, wenn ihr quasi auf dem Sprung seid, mit euren Kiddies in die Berge zu gehen. Vielen, vielen Dank, dass Du da warst.

Sabrina Höflinger: Ja, danke dir. Hat richtig Spaß gemacht. Und ich hoff, es gibt den einen oder anderen Tipp, den die Zuhörenden da draußen umsetzen können.

Jan: So ist es. An euch da draußen. Wenn euch der Werkzeugpodcast gefällt, dann lasst gerne 'n Abo und 'n Kommentar da. Ich freu mich immer über Feedback. Wir hören uns dann wieder in 2 Wochen bei der nächsten Folge des Bergzeitpodcast. Bis dahin, macht's gut, passt auf euch auf und habt eine schöne Bergzeit. Tschau, tschau, euer Jan.

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