#104 Interview Dr. Georg Bayerle
Shownotes
In dieser Folge des Bergzeit Podcasts begrüßen wir Dr. Georg Bayerle – Bergjournalist, Alpinexperte und Träger der Bayerischen Staatsmedaille für seine Verdienste um die Umwelt. Georg ist seit 1999 als Stimme des Rucksackradios und von „bergauf bergab“ beim Bayerischen Rundfunk ein bekanntes Gesicht der Bergszene. Er nimmt uns mit auf die Reise durch sein neues Buch „Alpenappell – Warum die Berge nicht zum Funpark werden dürfen“ und spricht über die Schattenseiten von Profitmaximierung, Massentourismus und die Veränderungen im alpinen Natur- und Kulturraum. Im Gespräch zeigt Georg gleichermaßen Missstände auf, motiviert aber auch mit Lösungsansätzen und positiven Beispielen für nachhaltigen Bergtourismus. Freut euch auf inspirierende Gedanken, Denkanstöße und persönliche Geschichten – für alle, die die Berge lieben und bewahren wollen.
Mehr aus dem Inhalt & Timecodes:*
- [01:10] Begrüßung und Schnellfragerunde: Wer ist Georg Bayerle?
- [02:23] Herkunft und Kindheit: Großelternhaus, frühe Verbindung zu den Bergen
- [08:23] Nachhaltigkeit kurz und klar: Definition von Georg
- [10:16] Werdegang: Wie Georg zum Bergjournalismus kam
- [13:42] Guter Journalismus: Geschichten, Erlebnisse und Vermittlung im Alpenraum
- [15:16] Bergsport im Wandel: Vom Naturerlebnis zur technischen Industrialisierung
- [20:26] Bergsport als Breitensport: Trends, Social Media und junge Generationen
- [25:28] Alpenappell: Titel, Beweggründe und Wirkung des Buchs
- [39:18] Best Practices: Nachhaltige Tourismusmodelle und inspirierende Regionen
- [45:07] Skigebiete und Klimawandel
Mehr Infos zu Dr. Georg Bayerle & seiner Arbeit (https://www.br.de/nachrichten/autoren/georg-bayerle,650a942a-1352-4acb-befa-782c832fd3ee)) (https://www.instagram.com/georg_bayerle/)) (https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1074817817))
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Transkript anzeigen
00:00:00: Heute wohnen zu Gast im Bergzeit-Podcast der Bergjournalist und Alpinexperte Dr.
00:00:04: Georg Bayerle.
00:00:06: Georg ist seit deinundhundertneunzig beim bayerischen Rundfunk Spezialist
00:00:09: für
00:00:09: Berge und Umwelt, mit dem Rucksackradio und Back auf, Back ab ist er gebürtige Günzburger bekannt geworden.
00:00:16: Zwei Tausend Achtzehn hatte für seine Verdienste um die Umwelt die bayerische Staatsmedaille bekommen.
00:00:21: Im Juni zwanzig erschienen sein Buch Alpenappell warum die Berge nicht zum Fun Park werden dürfen.
00:00:27: Im Podcast sprechen wir über genau dieses Buch, seine differenzierten Sichtweisen auf Profitmaximierung und den Massentourismus in den Alpen.
00:00:35: Und warum es Georg ein Bedürfnis war einen Aufruf für mehr Schutz eines bedrohten Natur- und Kulturraums zu schreiben.
00:00:41: Ganz viel Spaß beim Zuhören!
00:00:42: Und damit rein ins Gespräch mit Dr.Georg Bayerle.
00:00:48: Der Bergzeitpodcast ist dein Podcast für mehr Bergzeit.
00:00:53: Egal ob neben
00:00:54: dem Gipfelkreuz
00:00:55: oder auf dem Weg ins Büro – Wir wollen die Berge zu dir bringen Immer und überall.
00:01:10: Servus Georg, herzlich willkommen im Bergzeit-Podcast!
00:01:12: Hi, Servus!
00:01:13: Georg wir starten unsere Interviewfolgen immer mit einer kleinen Schnellfragerunde Und jetzt ist bei dir ein bisschen spezieller Fall weil ich bin mir ziemlich sicher einen Großteil uns erhören denn würde dich schon irgendwo erkennen.
00:01:23: normalerweise machen wir das immer so meinen ersten Eindruck zur Person zu bekommen.
00:01:26: Ich würde es mit ihr trotzdem gerne machen.
00:01:28: für diejenigen die vielleicht doch noch nicht gehört haben
00:01:31: und
00:01:31: die vermeintlich erste leichte Frage ist wer ist Georg Bayerle?
00:01:35: aber in einem Satz?
00:01:37: Ja, das würde ich tatsächlich schwer beantworten können.
00:01:40: Aber in der Zeitung hat mir einer den Titel Alpenrebell gegeben im vergangenen Jahr und damit kann ich eigentlich ganz gut leben.
00:01:48: Ah ja okay spannend!
00:01:49: Müssen wir später nochmal darauf eingehen weil den Artikel habe ich auch gelesen in der Vorbereitung und dachte ich mir auch ob du da so happy warst mit dem Titel ALPENREBELL.
00:01:55: aber dann weiß ich da schon mal Bescheid wo kommst du her?
00:01:57: Wo lebst du aktuell?
00:01:59: Ich lebe in München nicht bin geboren in Gunsburg also in Mittelschwaben sozusagen hatte aber das große Glück, dass meine Großeltern in Lech-Aschau am Eingang zum Lechtal ein Haus hatten und ich als kleines Kind eigentlich sehr viel da war.
00:02:14: Und dann später in der Schule immer in den Ferien.
00:02:17: Da kommt auch eine große Verbindung zu den Bergen her.
00:02:20: Insbesondere zum Lechthaler und Allgäuer Alpen.
00:02:23: Schon kinderberge Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang in den Berges?
00:02:27: Sonnenaufgang, weil da das Geschenk dass ein neuer Tag beginnt mir so richtig bewusst wird.
00:02:34: Am allermeisten in den hohen Bergen also in viertausendern im Wallis oder sowas.
00:02:39: wenn so das erste Licht anschlägt an diesen Bergspitzen auf denen dann ja meistens auch noch Schnee oder Eis liegt und sich dieses Licht dann so verfärbt und allmählich der Tag kommt.
00:02:50: ich glaube viel intensiver habe ich nie erfahren Wie glücklich wir sein dürfen, wenn ein neuer Tag beginnt.
00:02:57: Ja voll geht mir ganz genau so.
00:02:59: ich habe ja das Kavendl und das Wetterstein Gebirge vor der Haustür Und da ist auch Sven Morgens.
00:03:02: jetzt dann die Sonne sich des Gebirges holt.
00:03:04: Das ist einfach echt was Magisches.
00:03:06: Also da bin ich bei dir Jetzt machst du ja Radio Fernsehen Bücher schreibst Du.
00:03:11: Wenn du für den Rest eines Lebens nur noch einen Medium bespielen dürftest Für welches würdest du dich entscheiden?
00:03:15: Ich glaube am Ende werde ich mich aufs Schreiben wieder konzentrieren.
00:03:19: Okay weil ich das Gefühl habe, dass sich da doch die Niosen einerseits am feinsten treffe und andererseits am besten mit der Immagination von denen verknüpfen kann, die es dann lesen.
00:03:34: Und ganz viel also auch was unsere Emotionen betrifft spielt ja zwischen uns beiden dann oder zwischen derjenigen oder demjenigen, die da etwas wahrnehmen und mir.
00:03:46: Und ich liebe Filme machen natürlich.
00:03:49: Ich liebe da ganz spezielle Stimmungen zu kreieren, Aufmerksamkeit zu schärfen.
00:03:53: aber es ist schon sehr viel vorgegeben.
00:03:55: Ich kann zum Beispiel mit Sprache viel weniger machen und die Bilder sagen sehr viel und die Bilders sind auch relativ leicht austauschbar.
00:04:02: Ich fürchte dass wenn die KI jetzt immer noch besser wird das wir geflutet werden von immer gleichen Bildern und ich weiß nur nicht was das mit unserem optischen Wahrnehmen macht.
00:04:14: Schon das ist ein großer Vorteil.
00:04:16: Radios oder Audio, oder auch Podcasts so wie wir es kennen.
00:04:20: Weil die Authentizität der Stimme das was an Personen da zur Erscheinung kommt sich auch wieder mit Vorstellungen von denenjenigen verbindet, die das hören und sodass dann dieses sogenannte Kino im Kopf entsteht.
00:04:34: Und dass ist ja etwas ganz ganz Wertvolles weil das geht ganz nah ins eigene Innere von denen sie das hören.
00:04:41: Da ist bei Weitem nicht so viel schon vorgeprägt und vorgesetzt wie im Video jetzt oder im Bild.
00:04:47: Und wenn man dann eben nochmal eine Stufe zurückgeht, also wenn ich ein Buch lese, dann bin ich ja ganz in so einer Intimen-Zwiesprache mit dem was da passiert.
00:04:56: Deswegen wäre es meinem Wunsch eigentlich auch dass sich am Schluss noch mal etwas von den Sachen schreiben kann die mir besonders am Herzen liegen.
00:05:04: Ja, das macht Sinn.
00:05:05: Also man hört auch ein bisschen raus.
00:05:06: es gibt da noch so einige Geschichten die du gerne mal zu Papier bringen würdest.
00:05:09: Ja also mein Aufgabe ist definitiv noch längst nicht zu Ende und ich hoffe dass mir dann noch Zeit geschenkt wird.
00:05:14: ja.
00:05:15: Ja sehr schön!
00:05:16: Du wirst bestimmt ja ganz oft nach deinem Lieblingsberg gefragt mit dem was du immer tust.
00:05:20: deswegen habe ich mich für eine andere Frage entschieden weil du hast in deinem Buch tatsächlich auch quasi zwei von deinen Geheimtipps verraten.
00:05:27: Deswegen wollen wir dir auch nicht spoilern.
00:05:28: dafür müsst ihr dann das Buch lesen.
00:05:30: aber hast du in der Lieblungsberghütte?
00:05:32: Ach, das wäre jetzt schon fast unfair etwas hervorzuheben.
00:05:35: Weil ich habe natürlich viele Freundinnen und Freunde die Berghütten bewirtschaften.
00:05:41: Ich glaube auch dass es so gar nicht geht weil die Hütten haben doch alle so wie Menschen.
00:05:47: In eigenen Reizen?
00:05:47: So einen
00:05:47: ganz eigenen Charakter und bei manchen ist es die Lage wo sie stehen, die sich so herausragend macht.
00:05:54: Bei Manchens sind's die Menschen die sie bewirtschaftet.
00:05:56: Bei manchens isst es die Hüte an sich Und so weiter, also da würde ich jetzt wirklich keine hervorheben.
00:06:01: Ich könnte wenn ihr dann drüber nachdenken natürlich gerne eine Liste von zwanzig persönlichen Tipps machen.
00:06:08: Aber
00:06:09: sagen wir mal so es hat mich stark gewundert, wenn du jetzt hier eine Hütte rausgehauen hattest.
00:06:13: Ich hab nur gedacht die fragst trotzdem...
00:06:14: Ich habe ne Kapelle, die meine Lieblingskapelle ist und zwar ist das die Costa Riz Kapellae.
00:06:20: Die steht eben über diesem kleinen Dorflech Aschau wo dieses Haus von meinen Großeltern war.
00:06:24: dass ich angesprochen habe sind nur gute dreihundert Höhenmeter oder sowas.
00:06:29: Die steht da auf so einer Felsrippe, die dann hochzieht zur Geharnspitze.
00:06:33: Das ist so mein Familien- und Hausberg also wo Generationen schon drauf gegangen sind, wo ich mit meinen Kindern oben war usw.
00:06:41: Und diese Kapelle kann man innen sogar die Glocke läuten.
00:06:45: Da bin ich mit meinem Opa schon rauf und auch heute noch wenn ich egal manchmal gehe laufe sogar alleine nur einfach dahin und lasse das so auf mich wirken.
00:06:53: Also da findet es eine ganz enge Verbindung statt.
00:06:56: Schau, dann sind es eben solche Orte.
00:06:57: Gibt's eine Persönlichkeit jetzt im Kontext Berge-Bergsport mit der du gern mal noch richtig ausführlich dich unterhalten würdest oder auch nochmal unterhalten würde?
00:07:07: Auch das ist wieder so ne Frage!
00:07:09: Ich kenne natürlich unglaublich viele.
00:07:11: und mit wem müsste man mal so noch weiter so ein Gespräch führen?
00:07:15: ich kann das auch gar nicht so an einer Person festmachen weil es sind ja oft so verschiedene Berührungspunkte.
00:07:22: die man hat auf der Leutkirche Hütte in den Lechthaler Alpen.
00:07:27: Da gibt es eine Hüttenwirtin, die Anja Helmes ist eigentlich Psychologin und da haben wir vor einem Jahr mal so ein ganz intensives Gespräch gehabt abends, dass diese verschiedenen Aspekte vom menschlichen bis in diese Berge und was passiert denn der Gemeinschaft wenn man auf Hüttern ist?
00:07:45: Und sowas das alles abläuft und haben das analysiert.
00:07:48: und auch die Frage des Alpen- und Naturschutzes.
00:07:51: Und warum sich Menschen so verhalten?
00:07:54: Das sind jetzt ein Beispiel einfach nur, weil solche Gespräche habe ich mit verschiedensten Leuten auch mit Alexander Huber zum Beispiel um jetzt mal einen ganz bekannten Namen zu droppen.
00:08:04: Da habe ich schon da sehr gute intensive Gespräche gehabt.
00:08:08: Das sind so Fährten auch die ich gerne weiterverfolgen möchte.
00:08:12: Weil ich spüre dass wir dann nochmal weiterkommen können das wir noch mehr entdecken können in diesem Austausch.
00:08:19: Ja, voll.
00:08:20: Vielleicht wären das ja auch mal potenzielle Podcastgäste.
00:08:23: Vorletzte der Schnellfrage-Runde Wie definierst du für dich Nachhaltigkeit?
00:08:26: Ganz allgemein gesehen?
00:08:28: Nachhaltigkeit heißt dass jetzt die nächste Generation im Prinzip ähnliche Voraussetzungen Spielräume Gestaltungsmöglichkeiten hat wie wir
00:08:38: dem uns nichts hinzuzufügen.
00:08:39: Ich bin überrascht, weil wenn ich die Frage stelle, kommen immer recht lange Antworten mit verschachtelten Sätzen und dann wird es auch wieder ein komplexes Thema.
00:08:47: Aber dadurch, dass du dich extrem viel damit auseinandersetzt, hast du da wahrscheinlich ein klares Bild.
00:08:52: Das können wir später noch mal vertiefen.
00:08:54: Und letzte wäre auf einem Happy-Niss-Gala von eins bis zehn?
00:08:58: Eins ist sehr schlecht und zehn ist absolut perfekt!
00:09:03: Wo würdest du dich gerade einordnen?
00:09:06: Was ist es schwer zu sagen?
00:09:07: Acht?!
00:09:08: Okay.
00:09:09: Also eigentlich ziemlich erstrebenswert, so hoch sich da einzuordnen oder?
00:09:13: Ja also die meisten Menschen um mich rum, die mir sehr wichtig sind denen geht's gut.
00:09:19: Ich persönlich bin auch ziemlich gesund und ich glaube damit ist das Wichtigste schon fast gesagt ja weil wenn die Gesundheit da ist dann hat man Gestaltungsmöglichkeiten und insgesamt leben wir ja fast alle hier in Deutschland auf einem derartig privilegierten Niveau.
00:09:38: Das ist ja eh einer meiner wichtigsten Ausgangspunkte zu sagen.
00:09:41: Mensch, das musstet ihr jeden Morgen wieder mal sagen was wir alles machen können in welcher Freiheit wir leben dass wir Spielräume haben um egal war sehr.
00:09:50: die einen gehen lieber ins Champions League Spiel und die anderen gehen lieber ein Tag in die Berge oder sowas.
00:09:56: aber das alles machen zu können vor dem Hintergrund die allermeisten Anderen auf diesem Globus machen können.
00:10:03: Also mein Hallo wäre da nicht weit über sechs oder so sich befindet, also der hat irgendwas nicht verstanden?
00:10:11: Ja ich glaube das rückt so eine ganz gute Perspektive!
00:10:13: Vielen Dank dir für die Schnellfrage Runde wir...
00:10:15: So schnell war's gar nicht!
00:10:16: So schnell was gar nicht, aber macht gar nix.
00:10:18: Lass uns mal einsteigen so bisschen über deinen Werdegang und auch deine Rolle als Bergstournalist sprechen.
00:10:23: Ich habe ja eingangs schon erwähnt dass dich Zumindest von der Stimme her auch viele kennen.
00:10:26: Du machst es seit, neunundneinzig oder?
00:10:29: Beim Bayerischen Rundfunk, Rucksackradio, Berg auf, Berg ab und schreibst eben auch viele Bücher.
00:10:34: Nimm uns aber mal so ein bisschen mit in die Anfangszeiten.
00:10:35: du hast gerade schon gesagt, du bist die bildschige Günzburger war's dann aber viel in den Bergen unterwegs.
00:10:40: durch die Möglichkeiten auch deiner Großeltern.
00:10:42: War das was du heute machst schon immer so Das was du vorhattest Oder hat sich das irgendwo so dahin entwickelt?
00:10:49: also war dieses Thema Journalismus Und dann auch Bergjournalismus ist schon immer ein Ziel.
00:10:55: Nee, ich habe im Prinzip zwei Ebenen die immer so parallel gelaufen sind.
00:10:59: Ja das eine war Sport, Bergsport vorne dran weil ich mit fünf auf dem ersten Gipfel war und Skifahren angefangen hab zu lernen also direkt vor der Haustür so wie man sich es vorstellt.
00:11:08: Also morgens nach dem Frühstück rausgeschmissen worden und dann zusammen mit den Nachbarkindern da mit den Skiern im Schlittschuhschritt über die Wiesen einen knappen Kilometer und da gab's halt so ein Schlepper wo wir Kinder dann mit irgendwie dreißig Schilling den ganzen Tag unterwegs waren, bis dunkel geworden ist und dann sind wir wieder nach Hause gekommen.
00:11:26: Und dann habe ich später Handball sehr aktiv gespielt und badminton und war badmintentrainer.
00:11:33: also hab Leistungssport eigentlich auch gemacht.
00:11:36: und auf der anderen Seite hat mich immer schon Kultur Kunst Literatur sehr stark interessiert.
00:11:40: deswegen habe dann auch Literatur studiert und diese beiden Pole waren es.
00:11:45: Am Schluss war mir dann aber dieses literarische Zupapieren, also habe ich gedacht wo gibt es praktische Anwendungen und so bin ich beim Journalismus gelandet.
00:11:54: Und wie es der Zufall dann wollte, habe ich glaube am zweiten Tag bei dem Bayerischen Rundfunk dann so richtig die Entdeckung gemacht hey da gibts ne Bergeredaktion ja!
00:12:04: Von da ab war dann irgendwie Der Sog, der Höhe oder das Abgrund wie man das jetzt in den Bergen so nennen will eigentlich vorgezeichnet und dann habe ich mich da halt voll reinbegeben.
00:12:17: Weil ich da natürlich die eine und andere Seite perfekt miteinander verschmelzen konnte.
00:12:23: aber weil ich eben außer an eher... weiteren Horizont würde ich mal sagen, da drauf habe.
00:12:28: War es mir von Anfang an dann natürlich auch wichtig also Berge nicht einfach nur als Sportgerät zu betrachten ja?
00:12:33: Also ich hab früher auch auf die Uhr geschaut und wollte meine eigenen Rekorde überbieten
00:12:38: usw.,
00:12:39: die Gehrenspitze wie gesagt das war der Berg wo man zum Haus raus gestolpert ist und dann zu Fuß eigentlich auf diesen Gipfel ist.
00:12:44: Ja so Gleichseiten!
00:12:46: Dreizehnhundert Höhenmeter usw.
00:12:47: Da habe ich aus allen Lebensphasen sozusagen meine Meine Zeiten, also ist das klar.
00:12:53: Also dieser kompetitionen Gedanke den kenne ich gut genug auch als Sportler letzten Endes.
00:12:58: aber gleichzeitig waren wir die anderen Aspekte sehr wichtig.
00:13:01: was stecken dafür?
00:13:02: Geschichten dahinter wer sind die Leute da an der Gehrenspitze?
00:13:06: Südwand Das haben wie immer so Waldfriedhof genannt.
00:13:08: ja also da ist einerseits eine toten Gedenkstätte für welche dem Krieg gefallen sind und andererseits alle die da in der Gehenspitzen schon abgestürzt sind Und das hat mich immer auch interessiert.
00:13:18: Was sind es für Menschen, was für Geschichten stecken dahinter?
00:13:21: Welche Rolle hat dieser Berg da gespielt?
00:13:24: Auch für das Tal?
00:13:25: Was für Verbindungen haben die Menschen dazu und natürlich auch diese ganze Naturaspekt dabei?
00:13:31: Also insofern war das von Anfang an so etwas wo ich ganz mehr perspektivisch auf die Berge geschaut habe.
00:13:37: Ja klar!
00:13:38: Dann klingt's wirklich dann dem Perfect Match am Ende darzulanden mit dem was du heute machst.
00:13:42: Was macht für dich aber guten Journalismus aus?
00:13:46: Genau das, dass ich gute Geschichten erzähle.
00:13:49: Aufmerksamkeit weggehe und diejenigen, die das wahrnehmen, das journalistische Produkt – und es ist jetzt egal ob das ein Text oder ein Film ist oder sowas -, dass sie dabei etwas erleben.
00:14:01: Also ich will nicht als Schlaumeier Ihnen sagen was Sie da verstehen sollen sondern ich versuche eigentlich immer so direkt und unmittelbar zu erzählen Natürlich mit den Hintergründen und den Erklärungen, aber dass diejenigen das wahrnehmen.
00:14:17: Das auch selber bei der Wahrnehmung also bei der Rezeption wie man sagen würde selber erleben weil dann findet was statt ja?
00:14:27: Also ganz ganz viel ist ja nur Berieselung oder mehr oder weniger Unterhaltung wo wir eigentlich schon eine halbe Stunde später nicht mehr weiß was man sich da jetzt eigentlich angeschaut hat und so weiter.
00:14:36: Das war dann eben auch kein Erlebnis, also das ist halt irgendwie so ein Hintergrundsrauschen oder Umgebungsrausche.
00:14:42: Ja und wahrscheinlich wenig komplex?
00:14:44: Oder ich meine das Buch was du geschrieben hast es nicht super dick, das hätten wir wahrscheinlich auch doppelt zu dick machen können.
00:14:51: Es wäre sogar leichter gewesen.
00:14:52: Wahrscheinlich ja!
00:14:53: Also jeder der solche Dinge macht und er weiß dass das kürzer zu machen eigentlich das schwierigere ist und viel mehr ... auch Auseinandersetzung, Arbeit verstehen und so weiter erforderlich macht.
00:15:05: Ja absolut!
00:15:07: Jetzt hast du ja einfach durch deinen Berufsalltag wirklich über... ...ja jetzt eigentlich Jahrzehnte hinweg schon Veränderungen mitbekommen in den Bergen und auch im Berg-Sport.
00:15:16: Kannst Du?
00:15:17: Das ist eine sehr große Frage aber vielleicht sogar in Kategorien die größten Veränderung in Dingfest machen, die Du miterlebt hast?
00:15:24: Naja die größte betrifft jetzt den Winter natürlich und das was ich vorhin schon erzählt habe.
00:15:28: also Ich hatte Holz-Ski am Anfang noch Lederstiefel, die man geschnürt hat.
00:15:33: Und wir sind halt eben zu Fuß über die Felder da ... Zu einem Schlepplift hin und es gab natürlich nur den Schnee, den's halt gab!
00:15:41: Also die Snow Cannon, da kommt ja der Name Schneekanone her.
00:15:44: Die wurde ich glaub irgendwann in den Siebzigerjahren erfunden.
00:15:47: Ja echt so viel
00:15:47: schon?
00:15:48: Ja ja ab Mitte des Siebzigers ungefähr.
00:15:50: Also tatsächlich eben auch in Nordamerika.
00:15:52: deswegen... Da kommt eben der Name her, die haben das dann Snow Cannon genannt.
00:15:56: Deswegen sagen wir heute noch Schneekannone dazu Und heute gibt es keinen Alpine-Ski mehr ohne Kunstschnee.
00:16:04: Das kann man mittlerweile so drastisch sagen, also es gibt noch ein paar letzte Liftchen oder auch dann so Bauernlifte oder Dorflifte die halt tatsächlich da nochmal eine Woche aufsperren wenn's gerade genug Schnee hat.
00:16:15: aber jetzt ernstzunehmende Skigebiete gibt es kein einziges Meer das nicht Kunstschne braucht.
00:16:20: und alle die etwas größer sind Und das haben wir gesehen bei den Olympischen Spielen.
00:16:25: Also da hätten auch keine Wettbewerbe stattgefunden, wenn nicht alles mit Kunstschnee beschneit worden wäre und jeder der ein bisschen die Augen aufmacht im Endeffekt sieht es sowieso überall.
00:16:35: also wir haben etwas was ich ja als Kind noch als komplette Naturtätigkeit erlebt habe jetzt abgesehen halt von dem Drahtseil wurde wo man am Bügel hochgezogen wurde ist mittlerweile eine komplett technisierte und industrialisierte Veranstaltung, die ohne diese Technik einfach gar nicht mehr funktionieren würde.
00:16:56: Und da kommen dann noch diese Zusatz-Facts dazu, dass also im Sessellift die Sitze beheizt werden und der Aufgang zur Gondel mit Rolltreppen ausgestattet ist
00:17:07: usw.,
00:17:08: also in einem hochmodernen Skigebiet heutzutage stellst du dein Auto ab?
00:17:12: Im Keller gehst auf die Rolltreppe, gehst in die Gondeln rein kriegst den Hintern warm gemacht und so weiter.
00:17:19: Also drastischer oder besser kann man es nicht sagen, und es gibt eine sogenannte Schneegarantie ja?
00:17:26: Und das ist der größtmögliche Widerspruch zur Natur.
00:17:29: Ja, das stimmt!
00:17:29: Aber was sind die Treiber dahinter?
00:17:31: Geld?
00:17:31: Die Gesellschaft?
00:17:32: Geld natürlich hauptsächlich... ...und natürlich die technische Entwicklung und die Gesellschaft macht das dann halt entsprechend mit also gewöhnt sich dann An etwas, ich habe im Buch ein Kapitel drin das mir da sehr wichtig ist.
00:17:45: Das heißt The New Normal also die neue Normalität.
00:17:49: Das ist was worüber wir uns viel zu wenig Gedanken machen und was wir viel zu wenige reflektieren.
00:17:55: Also es treten immer wieder neue Normalitäten auf in denen wir leben und die kommen uns normal vor weil wir vergessen wie's vorher war Und so gewöhnen wir uns an immer neue Konsum-Umgebungen sozusagen, die uns völlig normal erscheinen.
00:18:10: Obwohl wir es selber zum Teil vor zwanzig Jahren anders erlebt haben.
00:18:13: Jetzt du bist deutlich jünger als ich, du kennst natürlich Zustände schon nicht mehr, die ich noch kenne und wenn man jetzt...
00:18:19: Nur Erzählungen von Eltern und Boah!
00:18:21: Ja und deswegen sind diese Erzählungen so wichtig, deswegen sind ältere Leute so wichtig weil sie es schaffen diese anderen Realitäten am Leben zu erhalten und wenigstens dann durch so eine Oral History irgendwie weiterzugeben.
00:18:34: Also, als ich ja als Kind rausgegangen bin, ich meine wir haben Schmetterlinge gefangen und Amphibien, Molche, Lurche und so Zeug – das war halt irgendwie normal!
00:18:45: Man hatte nichts zum Datteln gehabt
00:18:46: usw.,
00:18:47: also waren immer viel draußen und hat sich damit beschäftigt.
00:18:50: Und es wimmelte ja nur von diesen Tieren.
00:18:53: Deswegen hat sich auch keiner was dabei gedacht.
00:18:55: wenn man dann diese Schmetternlinge narkotisiert hat und seine Sammlungen Und je seltener der war, desto toller war es natürlich.
00:19:02: Heute kann ich da, wo ich die früher gefangen habe, also stundenlang mit dem Schmetterlingsnetzer rumrennen und finde überhaupt kein Meer.
00:19:11: Genauso hat der Vogelkorus, wenn man in bayerischen Landschaften draußen unterwegs ist... Also man hat Feldlärchen!
00:19:19: Die kamen so viel vor wie Spatzen habe ich in Erinnerung des Gefühl Wachtelkönig.
00:19:24: Diese Mönchsgrasmücke, diese schönen zwitschenden Vögel, die Orchestrierung eines Naturerlebnisses waren.
00:19:32: Du kennst es gar nicht, dir fällt nicht auf wenn du da rausgehst das sich an diesem Orchester was geändert hat.
00:19:40: ich kenne's noch und nehme dann eben den Artenschwund nicht nur wahr weil ich weniger fliegen auf der Windschutzscheibe abkratze sondern weil ich auch merke hey die Natur klingt anders.
00:19:50: Ja ja und ich glaube schon auch Weil du dich damit intensiv auseinandersetzt.
00:19:54: Das ist immer das nächste.
00:19:55: Ich glaube selbst wenn Erinnerungen da wären, muss man sich einfach aktiv damit auseinandersetzen um damit konfrontiert zu werden.
00:20:02: Ich habe in dem Kontext nur doch eine wichtige Frage siehst du den Trend schon auch mit dafür verantwortlich dass der Berg Sport generell fast mehr ein Breitensport geworden ist als es früher war?
00:20:12: Weil ich finde gibt's immer geschiedene Meinungen.
00:20:15: Es gibt die sagen Bergsport war schon immer was das quasi gefühlt fast alle gemacht haben Manche intensiver und manche weniger intensiv.
00:20:22: Ich hab schon einmal die Wahrnehmung dass es vor allem seit den Corona Jahren einfach deutlich mehr geworden ist.
00:20:26: Also ja, würde ich unterstreichen.
00:20:29: Aber tatsächlich stimmt auch das andere.
00:20:32: Als der Alpenverein zum allerersten Mal so eine Hüttenordnung in Richtung eines zurückhaltenderen natürlicheren Hüttenbetriebs erlassen hat, das war die sogenannten Tölzer Richtlinien, da steckte hauptsächlich dahinter... Ein Schlagwort war Wolltecken statt Federbetten.
00:20:56: Also auch in den zwanziger Jahren bereits, also vor hundert Jahren gab es eine Tendenz dass man da das ein bisschen komfortabler machen wollte und die treibenden Kräfte hinter diesen tollen Richtlinien, die also vorgeschrieben haben, nee!
00:21:10: Das sollen einfache Schlaflager bleiben und nicht zu viel Komfort aufhütten.
00:21:15: So quasi gestandene Bergsteiger, denen diese ganzen ... Man sagt damals gesagt Jochbummler und Salon Tyroler so.
00:21:21: Das waren die zwei Hauptbegriffe ja?
00:21:23: Und die wollten die eben draußen lassen weil in den zwanzigern Jahren des vorigen Jahrhunderts eben auch schon so.
00:21:29: ein Riesen-Run auf die Berge war nach dem Ersten Weltkrieg Wirtschaftskrise also Urlaub zu Hause und dann hat man so die Bergle so richtig entdeckt.
00:21:37: Also auch damals gab es schon Dieses Gefühl von Overturism würde man heute sagen und wie kann ich den lenken und kanalisieren?
00:21:45: Also es ist ganz lustig, ja.
00:21:46: Und in der Zeit wo ich als Kind dann in den Bergen war das war die Zeit der roten Kniestrümpfe und der karierten Hemden usw.. also da waren... also ich weiß nicht in welchem Alter habe ich mit meinem Vater den Mindelheimer Klettersteig gemacht.
00:22:02: er war da ganz neu.
00:22:04: also das muss so um Ende des Siebzigerjahres, oder so gewesen sein schätze ich, da waren die Fiedere Passhütte völlig überfüllt.
00:22:17: Da war ein Schlangen an diesem Mündelheimer Klettersteig.
00:22:20: Also das kenne ich seit ich da unterwegs bin?
00:22:24: Herr Graz, weil ich habe einfach echt so das Gefühl gehabt, vor allem auch durch Social Media und Co.
00:22:28: ist Bergsport auch wieder ein bisschen ... cooler geworden in dem Sinn.
00:22:31: Also auch wirklich so bei den ganz, ganz jüngeren Generationen auch noch jünger als ich jetzt bin.
00:22:35: Das
00:22:35: würde ich sofort unterstreichen das will ich vielleicht noch ergänzen ja weil das ist mir natürlich schon auch aufgefallen also dass plötzlich jetzt die junge generation des in der corona-Zeit so massiv entdeckt hat
00:22:47: und es
00:22:47: war auch das das ganz harmlose also das wandern also die Alpenüberquerung
00:22:52: usw.,
00:22:53: wo ich mir so gedacht habe Das gibt's ja gar nicht.
00:22:55: Also das wär uns sehr viel zu kässig gewesen, also einfach da nur so rumlaufen und dann eine hüttende Übernachtung wie langweiliger!
00:23:03: Wir wollten sofort klar natürlich klettern und es müssen jetzt herausfordernde Gipfel sein und so... Und es waren damals tatsächlich in der jungen Generation eher wenige die das gemacht haben.
00:23:15: Ich hab bloß ein Handvoll Freunde eigentlich gehabt und dann halt noch welche vom Alpenverein mit denen ich da dann so die etwas schärferen Sachen gemacht habe.
00:23:23: Während heute tatsächlich trifft man da auf ganz vielen Routen in jedem Leistungsniveau sozusagen oder Anspruchsniveau viel, viel mehr Junge.
00:23:32: Ich bin da mittlerweile ein... was weiß ich?
00:23:36: Gibt's aber von den Entwicklungen, die du jetzt geschildert hast?
00:23:38: das waren ja schon überwiegend negative Entwicklungen.
00:23:40: gibt es auch irgendwelche positiven Entwicklungen?
00:23:41: wo du sagst, da hat sich was wirklich hin zum Guten gewendet über die letzten zwei Jahrzehnte?
00:23:46: Ja, das lässt sich natürlich auch wieder nicht über einen Kamm scheren.
00:23:49: Ich habe das jetzt auch gar nicht glaube ich so negativ verstanden wissen wollen.
00:23:52: Das sind einfach Beobachtungen mit denen wir zu tun haben ja?
00:23:56: Ich finde sowieso dass man einfach einmal sich diese Realitäten so nehmen muss und sich dann überlegen muss wie kann man das denn alles immer besser machen?
00:24:03: also das ist so die Geschichte weil ich kann mir nicht gegen Entwicklungen stellen die in der Realität stattfinden.
00:24:10: Also ich meine am allepositivsten ist natürlich dass die Unfallzahlen nicht steigen.
00:24:15: Also wir haben immer mehr Leute, die da eben auch neu rausgehen und das ist ja eine eindeutige Tendenz dann eben durch Social Media zu Dingen animiert werden.
00:24:27: Die vielleicht noch nicht unbedingt ihrer Erfahrung oder ihrem Können entsprechen Und es passiert trotzdem nicht sehr viel mehr als früher.
00:24:37: was ein bisschen ärgerlich ist jetzt vor allem aus Sicht dieses Rettungsthemas dass sich vielmehr in Situationen retten lassen, wo wir halt gesagt hätten okay also jetzt geht's halt nicht mehr.
00:24:47: Jetzt müssen wir die Nacht halt leider ein bisschen ungemütlich da am Berg verbringen und morgen wenn wieder Tag ist dann haben wir einen klaren Kopf und dann finden wir es schon oder so.
00:24:56: ja während heute halt oft aus diesen sogenannten Blockierungen gerettet wird wo man merkt ok also die haben sich einfach viel zu viel zugemutet und kommen immer weiter.
00:25:05: aber insgesamt finde ich das ist das schon mal ein positiver Trend und hängt damit zusammen, dass die Ausrüstung besser geworden ist.
00:25:12: Das ist ein absoluter Plus-Faktor, dass man das Ganze auf eine solide ausgerüstete und angenehme Weise erleben kann.
00:25:21: Das sind eindeutig positive Entwicklungen.
00:25:23: auch, dass Natur so gerne wahrgenommen wird.
00:25:28: Ich mag deinen Ansatz zu sagen ... Hey, die negative Sachen?
00:25:33: Das ist ja die aktuelle Realität!
00:25:34: Und man muss aber eher schauen, wie kann man wieder was verändern?
00:25:38: Dass es halt wieder zum Positiven wird.
00:25:40: Dann wird's nämlich nicht ein Fingerpointing, sondern dann wirds vielleicht wachrütteln und sehen, wie man Dinge wieder verändern kann.
00:25:47: So hab ich auch dein Buch aufgefasst oder wahrgenommen.
00:25:50: Lass uns da mal bisschen tiefer eintauchen in das Buch!
00:25:53: Zuerst würde ich gerne mal kurz mit dir über den Titel sprechen.
00:25:55: Weil ... Ich find' einen sehr guten Titel... Ich habe mich gefragt warum Appell.
00:26:00: Man könnte eigentlich sagen diese Themen die du da ansprichst sind so drastisch.
00:26:05: Ein Appell ist ja per Definition eine eindringliche Aufforderung oder bitte aber er lässt da noch einen gewissen Handlungsspielraum.
00:26:11: Man kann das ja auch Alpennotruf nennen können, oder Alpenhilfe jetzt auf dem anderen Ende der Skala.
00:26:18: Warum Appell?
00:26:20: Weil ich möglichst viele Menschen erreichen will und glaube dass es anders nicht geht.
00:26:25: also mein Wunsch wäre wirklich dass der quasi wie so ein Echo in den Bergen so möglichst weit getragen wird und möglichst viele erreicht.
00:26:33: Es muss aus all denen kommen, denen die Natur die Berge das in den bergen unterwegs sein Berg Sport machen usw.
00:26:40: was bedeutet also die müssen alle erkennen hey ich bin da ein Teil dieser Sache Ich bin jemand der da beschenkt wird weil ich das machen darf und kann da draußen sein kann und ich muss mich auch ein bisschen darum kümmern.
00:26:55: Das ist etwas das generell leider ziemlich verloren gegangen ist.
00:26:57: meines Erachtens, dieses Doppelte dass eigentlich jeder Mensch hat ja also ich bin mal ich mein Ego sozusagen aber ich bin gleichzeitig ein gesellschaftliches Wesen oder ein Wesen des mit seiner Mitwelt.
00:27:10: Also ich würde immer auch lieber Mitwelt statt Umwelt sagen, dass mit seiner Mitwelt in Verbindung steht.
00:27:15: und das ist der Wald da um mich herum.
00:27:17: Der sich für die gute Luft kümmert
00:27:20: usw.,
00:27:21: Das ist das Wasser, das sind eben auch die Berge.
00:27:23: Und deswegen Appell weil ich eben auch leider auch überhaupt niemanden sehe In den Entscheidepositionen, in der Politik oder so wie früher mal Klaus Thöpfer Damals Bundesumweltminister, Mitinitiator der Alpenkonvention als eines wichtigen Regelwerks.
00:27:40: Ich sehe da niemanden, der wirklich sich dahinter stellen würde und sagen würde hey wir können so nicht weiterwirtschaften!
00:27:47: Wir müssen auf den verschiedensten Ebenen dringend Dinge ändern sonst ist es eben nicht nachhaltig.
00:27:53: so wie ich es vorhin beschrieben habe.
00:27:54: im Sinne von Da hat die nächste Generation immer noch all diesen Reichtum zur Verfügung.
00:28:01: Ich
00:28:01: kann immer ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern zum Thema Wirkung, weil mein Papa hat seinen Buch als Erster bei uns in der Familie gelesen.
00:28:08: Ja danke schön!
00:28:10: Und dann haben wir über Weihnachten, als wir dann alle zusammen am Tisch saßen, darüber gesprochen und diskutiert, weil er dann gesagt hat, wir waren eigentlich noch nie so die klassische Bergtouristenfamilie und würde schon sagen dass wir uns an viele Dinge auch gehalten haben, an die du appellierst.
00:28:26: trotzdem waren es einfach Dinge wo er gesagt hat Boah wir müssen echt viel Sachen überdenken Und das sind gar nicht unbedingt die offensichtlichsten Dinge wie jetzt irgendwo Alpine, Skifahren und Co.
00:28:39: Sondern es sind auch so Sachen wie was mache ich eigentlich wenn ich Wintersport schaue und unterstütze auf eine Art und Weise die Events unterstützt?
00:28:46: Beispiel Skiveldcup-Auftakt in Sölden ist ein ganz großes Thema auch in deinem Buch.
00:28:51: Ich glaube das war für ihn der ja fast Wendepunkt im Kopf zu sagen ach krass hat noch so viel mehr Ebenen als dass sich halt vielleicht irgendwie Urlaub in den Bergsteigerdorf macht oder in irgendeinem Agri Turismo in Südtirola oder sowas.
00:29:03: Sondern es geht eigentlich auch noch die Ebene weiter zu sagen, wo hat das auch noch überall Auswirkungen?
00:29:08: War das die Wirkung, die du dir erhofft hast damit?
00:29:10: Ja, das freut mich jetzt sehr!
00:29:12: Also vielen Dank!
00:29:13: Sehr gerne!
00:29:14: Natürlich also das ist genau der Punkt eben auch zu sagen ich versuch mal diese ganze Komplexität in so einer quasi klassischen Dragödenstruktur fünf Kapitel in ein handliches Buch zu packen, das ich also sogar einen Rucksack stecken kann und auf eine Hütentour mitnehmen kann weil es nicht so wahnsinnig viel wiegt.
00:29:31: Und trotzdem aber keine leichte Kost zu servieren sondern das auf den verschiedenen Ebenen so durchzudeklinieren und alles miteinander in Verbindung zu setzen.
00:29:41: Also Kapitel eins die Veränderungen die einfach hinter Natur ablaufen ja?
00:29:46: Die viele nicht wirklich wahrnehmen obwohl sie uns eigentlich ständig vor Augen treten.
00:29:51: Kapitel zwei was ist so?
00:29:52: das übliche Reaktionsmuster?
00:29:54: Das übliche Reaktionsmuster ist, ja gut dann bauen wir halt wieder die nächste Geschichte und so weiter.
00:30:00: Also betonen wenn man das jetzt Rob sagen möchte.
00:30:03: Kapitel drei aber wenn wir uns einmal genauer anschauen was in diesen Jahrhunderten Kulturgeschichte der Alpen schon alles entstanden ist was es eigentlich auch für internationale Regelwerke gibt Was es für clevere Ideen gibt Die unser allgemeines gesellschaftsleben beeinflussen können Dann liegt da ganz viel dass wir nicht wirklich nutzen.
00:30:21: Kapitel vier, ganz kurz dieser eigentliche Appell.
00:30:24: Was müssen wir dringend eigentlich in der Gegenwart tun?
00:30:27: Damit es nicht wirklich völlig den Bach runtergeht?
00:30:29: und Kapitel fünf dann noch so ein bisschen diese anderen Dimensionen.
00:30:33: Diese besondere Wert für unsere Sinne, für das Wahrnehmen was dieser Raum uns als Menschen eigentlich auch alles noch zusätzlich gibt wenn wir da wirklich aufmerksam unterwegs sind.
00:30:44: Gab's einen speziellen Auslöser dass du irgendwann gesagt hast ich muss jetzt etwas schreiben also irgendeinen Erlebnis?
00:30:49: Ja, im Prinzip zwei, die mich dazu gebracht haben.
00:30:52: In dem Jahr zwanzig wurde zum Vortrag eingeladen von mehreren Rotor-Eklubs in Süden von München.
00:30:57: Also eigentlich sollte ich so quasi über die... Ich weiß gar nicht mal was der Arbeitstitel war also das Schatz oder der Reichtum der Berge oder Alpen und sowas.
00:31:05: Und es war mir so dran gedacht worden dass ich halt so aus meiner Berufserfahrung Dinge erzähle und ein wenig Bilder zeige.
00:31:12: und ich habe mich dann aber entschlossen vor allem diese in fragisch stehenden und gefährdeten Geschichten zu zeigen.
00:31:19: Bilder von Baustellen, von Entwicklungen, von Dilemma-Tag, Konflikten die wir haben, Energiegewinnung, Verkehr usw.. Und dann festgestellt habe obwohl ich da so einen ausgewählten Kreis hatte, die mir dazugehört haben über achtzig Personen.
00:31:33: Die waren hinterher total bewegt und betroffen und haben ja gesagt das wussten sie alles gar nicht Das war ihnen alles gar ned klar Obwohl das alles Leute sind, die ständig in den Bergen unterwegs sind und so weiter.
00:31:44: Winters wie Sommers ja?
00:31:45: Und dann habe ich mir gedacht es darf ja nicht wahr sein.
00:31:48: also wir müssen ja wenigstens wissen was da passiert und wo wir mitwirken und was wir tun!
00:31:54: Wenn wir zu dem Entschluss kommen ist uns egal Wir wollen das aber unbedingt so.
00:31:59: Dann ist es wenigstern mit dem Bewusstsein entstanden.
00:32:01: Aber man kann doch nicht einfach so dahinwürsteln und sich das gar nicht klar machen.
00:32:05: Das hab' ich noch einmal verschärft erfahren.
00:32:08: Da war ich wegen einem Dokumentarfilm-Projekt in Sölden oben am Rettenbachferner, am Pitzthaler Jöchel.
00:32:15: Das kennen viele weil eben die berühmteste Alpenüberquerung der E-Fünf kommt da aus dem Pizthal über das Pizzthalerjöchl rüber nach Sölden von der Braunschweiger Hütte.
00:32:25: und es war zufällig der Zeitpunkt wo einerseits am Rettonbachferne die im Sommer diese massiven Arbeiten gelaufen sind, um diese Weltkapiste nach wie vor zu erhalten.
00:32:36: Da ist der Gletscher in den letzten zehn Jahren dramatisch zurückgegangen immer so fünfzighundert Meter.
00:32:42: und das unglückliche Aussicht des Skiliftbetreibern ist dass da wo halt eine wunderbar geneigte Gletschervläche ist wenn er wegschmilzt dann plötzlich eine steile Felsstufe rauskommt.
00:32:53: also muss man den Fels weg sprengen baggern und Lastwagen dann wochen- und monatelang bearbeiten.
00:33:00: Und die Liftstützen wackeln, man muss das alles neu betonieren.
00:33:04: Das war so ein Tag, als ein Hubschrauber im Pendelflug genau von dem Platz, wo der Wanderweg runterkommt, da hatte er sein Depot, also immer die Betonmischer hinfuhren und diese Kübel voll gefüllt haben.
00:33:15: Der Hubsschrauber kam alle Minuten und hat den neuesten Kübel wieder hochgeflogen und wieder herunter.
00:33:20: Dutzenden von Wanderinnen und Wanderer über das Bittstaller Jöchel auf ihrer legendären Alpenübergwährung rüber.
00:33:27: Und die waren natürlich alle passerstaunt, ja man landet da dann am Tag drei ist es oder so oder vier plötzlich auf einer Großbaustelle.
00:33:36: Und ich hab die gefragt einfach, ob Ihnen klar ist worum es da geht und keine wusste das.
00:33:41: Dann habe ich ihnen das erklärt, da geht's drum also dass man diese Weltkapiste irgendwie herrichtet.
00:33:46: Das geht hier seit Jahren so immer im Sommer und das geht hier immer monatelang so.
00:33:52: Mensch ja!
00:33:52: Ich war da ja allmähm im Winter schieh.
00:33:54: Das hielt mir gar nicht.
00:33:55: Ich hab mich dann noch nie Gedanken gemacht usw.
00:33:58: Und das war dann wieder so ein Punkt wo ich mir gedacht habe Herrkert... Also muss jetzt doch wenigstens wissen, das muss doch jeder.
00:34:04: Für mich ist es klar, was gemacht wird.
00:34:07: Aber offensichtlich für die Allermeisten nicht.
00:34:09: Ja, ich glaube das ist genau der Punkt, den ich vorhin meinte mit dieser Aufklärung und sich dessen ersten Mal bewusst werden, dass so dieser erste Schritt bevor man überhaupt mal irgendeine Handlung unternehmen kann.
00:34:19: Genau!
00:34:20: Und da ist jetzt ganz spezifisch ein Ski-Weltcup nur ein Beispiel von vielen.
00:34:25: Du hast es gerade immer schon gesagt, Olympische Winterspiele dieses Jahr ... Das war im Prinzip das gleiche auf ganz vielen Ebenen.
00:34:31: Ich glaube, Antolz ist ja auch mal ein gutes Beispiel mit der Biertlern- und Langlaufstacke die jedes Jahr künstlich gemacht wird.
00:34:36: also da reiht sich echt ein Beispiel nach dem anderen.
00:34:38: Ja und
00:34:39: wo man jetzt Mitte August um Ferragosto rum, der größte Ferientag in Italien natürlich da, Marie Himmelfahrt.
00:34:48: Und genau diese Tage hat man sich ausgesucht um im Bergwald zweieinhalb Hektar zu roden Jetzt auch ein neues große Speicherbecken zu bauen für den Kunstschnee dieses Beatlohns.
00:35:01: Ja, aber es sind ja nicht nur die Natureinwirkungen sondern du sprichst ja auch ganz oft davon dass die Alten nicht nur im Naturraum sondern auch im Kulturraum sind.
00:35:09: Warum ist es wichtig da zu differenzieren oder besser gesagt eigentlich nicht zu reduzieren auf nur einen Naturraum?
00:35:16: Immer in einem Szenario wenn man Jahrzehnte vorausblickt dass wir dann eingehegte Nationalparks haben, wo man fast nix mehr tun kann und wo man halt noch so Minioasen scheinbar natürlicher Natur hat.
00:35:30: Und das wollen wir ja nicht!
00:35:31: Das ist auch biologisch gar nicht tragfähig wie man mittlerweile weiß.
00:35:34: Man braucht ja diese sogenannten Biotoprücken, diese Verbünde, diese größeren Systeme.
00:35:40: deswegen spielen ja auch Flüsse so eine große Rolle weil Flüssem im Buchsterblichen sind Lebensadern sind, wo sich Tiere Pflanzen bewegen können ausbreiten usw.. Also muss die Kultur Möglichkeiten finden, in eine gute Balance mit der Natur zu kommen.
00:35:56: Und das ist ja genau das was alte alpine Kulturen immer geschafft haben.
00:36:01: aus der Not heraus, muss man sagen Ich kenne es im Lechthal eben sehr gut.
00:36:04: eines dieser Seitentäler, die ich sehr gern mag Das ist ab Schlappsboden wo dann die Hantenjochstraße rüber geht nach Imst.
00:36:12: Da ist die erste kleine Straße als Feldweg in den letzten Jahren gebaut worden.
00:36:18: Also das ist gar nicht mal so lang her.
00:36:20: Und vorher mussten die Leute, ich hab da zufällig einen alten Film gefunden von einem Touristen der da war und der dann schwarz-weiß das so dokumentiert hat, da mussten diese Leute vorher halt mit Kraxen stundenlang rauslaufen ins Lechtal oder rüber nach Imst um irgendwelche Sachzuholen dass sie haben wollten oder um was zu verkaufen.
00:36:38: Das heißt die mussten als allererstes einmal schauen, dass innerhalb des Tals möglichst alles super funktioniert.
00:36:44: D.h.,
00:36:45: die haben sich automatisch ganz viele Techniken, Verhaltensweisen angewöhnt die mit Nachhaltigkeit zu tun haben.
00:36:52: Mit Ressourcen sparsam umgehen und so weiter weil man wusste das soll ja nächstes Jahr auch wieder funktionieren.
00:36:59: Das soll auch in zwanzig dreißig Jahren für unsere Kinder wieder funktionierend.
00:37:02: Ich will jetzt auf keinen Fall zurück in so eine karige, arme Zeit.
00:37:07: Daum
00:37:08: geht's auch nicht!
00:37:08: Das ist immer sonst das Argument der vielen Lift- und Skibetreibern, dass sie sagen wir müssen davon was leben.
00:37:13: aber darum geht es eigentlich schon lange
00:37:16: gar nicht mehr.
00:37:18: Und den Schritt muss man einfach mal gehen einerseits zu sagen Mensch, ein Reichtum der Kultur Tradition der Alpen ist dass man viele Kulturen der Balance gefunden hat.
00:37:27: Ganz clevere Techniken von Upcycling, Recycling und so weiter entwickelt hat ja.
00:37:31: Alpine Kulturens sind Spezialisten aus Dingen.
00:37:34: was machen clever mit Dingen umgehen Dinge immer wieder neu in Wert zu setzen Ja Und das andere ist eben zu sagen hey wir haben jetzt innerhalb von zwei Generationen im Prinzip eine raketenartige Entwicklung genommen.
00:37:48: großen Tell und Zillertal, Öztal usw.
00:37:51: Da sind ja zig Leute in Millionäre geworden mit diesem ganzen Betrieb!
00:37:55: Und was ist da für eine Verschwendung gibt?
00:37:57: Was es da überall alles
00:37:58: gibt?!
00:37:59: Das sind Konsumwelten die sind genauso wie in München oder in Hamburg oder so.
00:38:04: Da ist nichts mehr zu spüren dass wir uns in einem besonderen Raum bewegen mit besonderen Bedingungen.
00:38:09: Und ich meine als Beispiel sage halt auch immer diese dreißig Prozent Lebensmittel die bei uns wegschmissen werden und das ist nix anderes im Öztalen wo das alles hingekart werden muss, es muss überall alles hingekart werden.
00:38:21: Das heißt wir haben ein Drittel dieses Konsums mit dem wir leben den wir heute abschneiden könnten und wir würden nix merken weil wir sie weg hauen?
00:38:30: Ja das ist schon krass wenn man sich das mal so vor Augen führt eigentlich.
00:38:33: Und dann macht's auch Sinn dass man glaube ich viel mehr von diesem Kulturraum spricht und nicht nur über diesen Naturraum.
00:38:39: Ich würde gerne einfach in Anbetracht der Zeit noch auf einen Punkt eingehen den wir vorher auch schon hatten nämlich dass du ja immer sagst hey Es soll ja auch irgendwie darum gehen, was können wir positiv verändern.
00:38:49: Und du hast ja die bayerische Staatsmedaille bekommen für deinen Engagement und ich würde da gerne mal ganz kurz aus der Laudatio da zitieren.
00:38:56: Da steht nämlich drin ihre Berichterstattung legen Sie das Hauptaugenmerk auf die Bewahrung unserer Natur und auf naturverbundene Wirtschafts- und Siedlungsformen.
00:39:03: Dabei beklagen sie nicht ausschließlich Fehlentwicklungen viel mehr motivieren sie mit positiven Beispielen und gelungenen Lösungen dazu auch neue Wege hinzuschlagen.
00:39:10: Das ist eigentlich genau das eben auch zu sagen nicht irgendwo drauf zeigen und sagen schlecht, aber keine Lösungen zu haben.
00:39:15: Sondern nur noch zu sagen wie funktioniert es gegen einen Fall besser?
00:39:18: Hast du so Best Practice Beispiele wo du sagst hey schau mir her da ist zum Beispiel eine Region die hat den Spagat gut hinbekommen zwischen irgendwo auch Alpina Tradition Mitwelt quasi gut bewahren Aber trotzdem beispielsweise touristische Interessen vertreten.
00:39:34: Ja, für ehrlich also Generell dazu muss man sagen, auch das läuft ja auf verschiedensten Ebenen und Skalierungen ab.
00:39:41: Also ich kann individuell durch meinen Konsum schon auch vieles beeinflussen natürlich und das darf man nicht vergessen.
00:39:48: um nochmal kurz auf meine Arbeit halt zurückzukommen also ich habe jetzt in Jahrzehnten Bergauf bergab zum Beispiel für die Filme.
00:39:56: Also wir machen die so, wie sie jeder normale Mensch erleben würde.
00:40:00: Ich habe nie einen Hubschrauber benutzt zum Beispiel.
00:40:03: Dann
00:40:03: lässt du dich auf dem Gipfel hochfliegen und sagen hey super!
00:40:06: Wir erleben das genauso authentisch wie jeder.
00:40:09: Wir laufen da wie jeder und schleppen das Zeug durch die Gegend.
00:40:13: Das gehört für mich schon auch dazu zu sagen... Das soll dann auch spürbar sein und deswegen lege ich aus einem Augenmerk immer darauf genau hin zu gucken.
00:40:21: Und dabei ein bisschen was zu lernen im Idealfall bei den Filmen, weil so macht man es ja auch spannend!
00:40:27: So macht man sie auch Kindern gegenüber spannend.
00:40:29: Aber jetzt zurück auf die Angebotsseite, also auf die Tourismusorte... Also natürlich es gibt leider zu wenig aber immerhin Initiativen Modelle die oft gut funktionieren.
00:40:40: Man muss natürlich immer die Bergsteiger dafür nennen.
00:40:42: diese tolle Initiative ursprünglich aus dem österreichischen Alpenverein und den österreichischem Lebensministerium wie das damals hieß und mittlerweile über die ganzen Alpen verbreitet sind knapp vierzig mittlerweile?
00:40:55: wird eigentlich in seinem Leben schon gar nicht fertig, wenn man einfach nur in diese Bergsteigerdörfer geht.
00:41:00: Da gibt es eine gute Homepage im Internet und das sind alles Orte die eben diese gewachsene Balance bewahrt haben.
00:41:06: keine besonderen Großbetriebe keine großen technischen Anlagen Und oft eine sehr gesunde Dorfstruktur Schleching.
00:41:13: bei uns im Oberbayern habe ich mal vor ein paar Wintern als halt auch wieder kein Schnee war so einen kleinen Film gemacht Auch für die Tagesschau damals.
00:41:21: Ich meine, da gibt es immer noch Sportgeschäfte.
00:41:24: Das ist ja nicht so dass diese Art Tourismus dann da zusammenbricht.
00:41:27: Soll anders oder?
00:41:28: Genau!
00:41:28: Also sie haben halt dann immer viel Skistiefel und Skier drin aber halt viel mehr Wanderstiefeln und Autorausrüstung
00:41:34: usw.,
00:41:34: weil die Leute dann halt eher Winterwandern gehen als Skifahren zum Beispiel.
00:41:37: Ja das sind jetzt ganz primär mal die österreichischen Wanderdörfer, das ist eine andere Vereinigung Die haben kürzlich eine Tagung gehabt zum Winterwandern und eben, das ist eh ein Trend schon.
00:41:48: Das Winter wandern seit mindestens zehn Jahren und wird immer beliebter.
00:41:52: und tatsächlich durch den Klimawandel ist es halt auch so dass November ist ein super Wandermonat geworden usw.
00:41:58: Also da verschieben sich viele Dinge und die sind auch auskömmlich.
00:42:00: ich kenn Hotels.
00:42:02: du kannst einen Hotel wenn du wachsen willst kannst die zehn oder zwanzig Zimmer dazu klatschen.
00:42:06: ja stellst ne Putzfrau mehr ein und hast dann halt wieder mehr verbraucht, aber wächst irgendwie.
00:42:12: Du kannst aber auch auf der gleichen Größe sagen.
00:42:14: ich nehme jetzt die Zeiten wo ich nicht so gut gebucht bin... ...und lass mir da ein bisschen was einfallen!
00:42:19: Dann kommt ein Koch, der ayurvedische Küche macht, wo man Kochkurse machen kann.
00:42:23: Es kommt eine Yoga-Lehrerin oder jemand, der tolle Geschichten immer erzählt und vorliest oder Schreibwerkstatt.
00:42:30: keine Ahnung es gibt so viele Möglichkeiten.
00:42:33: Dann mache mit dem gleichen Umfang weiter habe aber mehr Gäste habe auch mein Wirtschaftswachstum und noch dazu schaffe ich interessante Beschäftigungsmöglichkeiten, weil das natürlich schon spannender ist wenn man ein ausgebildeten Kocher oder sonst Gymnastiktrainerin hat zum Beispiel.
00:42:48: Und sowas funktioniert bis in die große Skala.
00:42:52: also es gibt so ein paar Modellregionen sozusagen, Bregen zur Wald, die früher die Hinterwäldler waren und deswegen sehr sich auf die Ressource Holz konzentriert haben, weil sie eben nicht viel hatten, weil net viel reinkam Und die sind mittlerweile europaweit oder vielleicht sogar weltweit führend, was modernen Holzbau betrifft.
00:43:15: Der Holzbauprofessor an der TU München immerhin eine der berühmtesten technischen Universitäten Europas.
00:43:22: Da kam er aus dem Bregen zur Wald und dessen Vorbild war das Mayensäs also diese einfache Albhütte wo man am Anfang des Sommers im Mai deswegen Mayenses eben so die erste Stufe in der sommerlichen Transhumanz hochgegangen ist und die einfach nur praktisch aus Holz gebaut worden war.
00:43:40: Das war für ihn immer so ein bisschen das Vorbild zu sagen, solche Bauwerke brauchen wir.
00:43:44: Witterungsbeständig in verschiedenen Jahreszeiten und am Ende wenn sie zusammenfallen dann verrottensehen.
00:43:50: uns bleibt nichts davon in der Landschaft.
00:43:51: Der hat die neue Alparahütte zum Beispiel gebaut, die so einen Hütten-Neubau-Modellprojekt gewesen ist und dadurch sind Schreinereien, Architekturbüros, Ingenieurgeschichten entstanden in Bregen-Sowald.
00:44:04: Also alles Attraktive auch durchaus gutpreisige Berufsmöglichkeiten.
00:44:10: Das ist ein Exportschlager und gleichzeitig zieht es massenhaft Touristen an weil jeder der irgendwie sich interessiert für Architektsur wo geht die Architektor hin?
00:44:19: Der muss einmal im Bregen Sowald gewesen sein.
00:44:21: ja also das sind so ganz clevere Geschichten die es da gibt und da gibt's Gott sei Dank durchaus eine ganze Reihe die nur oft so ein bisschen untergehen, unter diesem immer höher schneller weitergeschrei, dass da vom Tourismus einfach routinemäßig ausgestoßen wird.
00:44:36: Also eigentlich kann man zusammenfassend schon sagen es braucht halt fast wie so eine Art Wertewandel weg von der Maximierung hin zu mehr ausballungsierter Wirtschaft jetzt in dem Fall.
00:44:47: Naturangepassteres
00:44:48: Verhalten ja.
00:44:49: also ich kenne gar niemanden der jetzt irgendjemand sagt reißt das alles ab wir wollen keine Seilbahnen Nein, das soll ja ruhig alles bleiben.
00:44:59: Also kein vernünftiger Mensch würde sagen weg damit.
00:45:02: Es
00:45:02: würde eh nicht funktionieren oder?
00:45:03: Nein!
00:45:04: Alles was schon mal verbaut in der Tour ist wird nie wieder Wildnis.
00:45:07: Genau man muss halt einmal aufhören weiterzumachen und sollte dann allmählich auf den Mars zurück dass halt alle sich auch wieder da mehr in diese Balance begeben.
00:45:16: also ich habe so großen Schiegebiet Betreibern auch schon vorgeschlagen zu sagen baut es halt immer noch nicht weiter aus sondern geht dann halt bitte mit dem reduzierten Angebot an den Start.
00:45:27: Damit auch die, die da kommen, das so ein bisschen erleben – so einfach ist es nicht!
00:45:32: Das braucht einen riesen Aufwand im einen Zillertal in Meierhofen.
00:45:37: Da haben sie neben einem großen Speicherbecken ein zweites noch größeres gebaut damit Sie diese sogenannte Grundbeschneiung vor Weihnachten nicht an drei Tagen machen müssen sondern dass sie's idealerweise an anderthalb bis zwei Tagen schaffen weil sie gemerkt haben, dass durch den Klimawandel oft gar nicht mehr drei Tage am Stück ausreichend kalte Temperaturen sind um die Grundbeschneidung zu machen.
00:46:01: Also ich kaufe noch mal hundert Schneekanonen, ich baue nochmal einen Speicherbecken damit ich nach wie vor diese Illusion aufrecht erhalten kann oder diese Idee aufrechterhalten kann.
00:46:10: da läuft, koste es was es wolle dieser Betrieb.
00:46:14: Aber hast du das Gefühl du kannst sagen konstruktiv mit denen reden im Austausch?
00:46:17: Ja zu wenig also.
00:46:19: als das Buch rausgekommen ist Als erstes zwei gute Gespräche gehabt mit zwei Spitzenvertretern aus Tirol.
00:46:28: Ah, eins war auch ein Podcast?
00:46:31: Den gibt's auch noch.
00:46:32: ja also wenn wir die Werbung hier machen dürfen dann gerne weil sie war durchaus interessant mit dem Reinhard Clear, dem Wirtschaftssprecher der Tiroler Seilbahnen und Geschäftsführer Stubeier Bergbahnen das ist ÖAV Podcast Basecamp heißt er Nummer fünfzig Und ein zweites mit der Beate Rubatscher, das ist die Geschäftsführerin Kitzthal Kaunerthal.
00:46:52: Die ja auch zwei große Neuerschließungsprojekte in der Schublade hat.
00:46:55: Da war es natürlich noch ein bisschen kritischer und auch durchaus so wie ich's für mich verstanden habe konstruktiv angelegt weil ich eigentlich diese Konversation gerne weiterführen und intensivieren würde und noch viel häufiger führen würde.
00:47:09: aber es hat sich dann halt doch wieder rausgestellt dass zum Beispiel gerade jetzt im konventionellen Tourismus da immer noch nicht angekommen ist, dass es notwendig wäre oder gut wäre sich da intensiver auszutauschen und eventuell halt auch mal sich weiter zu bewegen weg von dieser.
00:47:26: ich sage jetzt mal einen Dimensionalen er hat dann halt mal dagegen und bauen wieder weiter Richtung.
00:47:31: Ja voll!
00:47:33: Gary hat eine letzte Abschlussfrage für dich und das ist so ne Art Szenario-Frage, die habe ich mir geklaut aus einem anderen Podcast, den ich immer gern höre von Hotel Matze.
00:47:40: und der fragt am Ende seine Gäste immer Stell dir vor, du hast eine Plakatwand am Alexanderplatz und du darfst was draufschreiben.
00:47:45: Ich würde noch ein Schritt weitergehen und sagen, du könntest für einen kompletten Tag alle Out-of-Home-Kampagnenflächen, die es so gibt auf der Welt also auch die großen Timescreens bespielen mit irgendeiner Message.
00:47:55: Hast du was im Kopf, was du direkt allen Leuten irgendwie gerne mitgeben würdest?
00:47:59: Die Frage werde ich natürlich öfters gefragt und dem Berliner Tagesspiegel habe im Interview als Beispiel nicht genau die gleiche Frage aber so sinngemäß.
00:48:09: denen habe ich vom Alpensalamander erzählt.
00:48:12: Das ist dieser schwarze, absolut ekelige Lurch der da so Kugelaugen hat und sich nicht bewegt und vor allem bei Regen immer auf den Wanderwegen sitzt weil er sich an einem warmen Stein wärmen will und leicht zertreten wird was natürlich fatal ist.
00:48:26: Und witzigerweise ist ja jetzt Luch des Jahres oder so ähnlich.
00:48:29: Ich weiß noch mal genau welcher Verein ihn dazu ernannt hat usw.
00:48:33: Der Alpsalamander trägt ein bis zwei Jungtiere ungefähr zwei Jahre lang in seinem Körper aus, bis die geboren werden.
00:48:43: Also mehr als doppelt so lange ein Mensch ein Baby austrägt.
00:48:47: und ich glaube also es weiß praktisch niemand wie die allermeisten leider viel zu wenig von dem wissen was da draußen los ist.
00:48:55: ja?
00:48:56: Da gibt's Graspüchel in höheren Bergteilern.
00:48:59: einer dieser Graspüsche der heißt Krummsäcke Die Krumm-Säcke die wächst einen Millimeter im Jahr.
00:49:04: Wenn der Grasbüschel groß genug ist, dann ist er tausend Jahre alt.
00:49:08: Jetzt kommt ein Backe Schaufel und macht den Weg breiter.
00:49:11: Okay!
00:49:12: Wir können darüber reden.
00:49:14: aber wir sollten wissen dass der da Lebewesen entfernt die mal tausende Jahre an der Stelle gewachsen sind egal was um sie rum passiert ist Und der Alpenseller Wander macht es ein bisschen griffiger und noch näher.
00:49:28: Aber ich glaube das wäre meine Kampagne einfach mal zu sagen hey Denkt echt einmal so ein bissel drüber nach mit welcher Mitwelt wir es da zu tun haben und ob das alles so nötig ist, was ihr meint.
00:49:39: Das muss jetzt sein und nur so geht's.
00:49:43: oder ob es nicht doch cleverere Lösungen gibt.
00:49:46: Ja absolut wie du dann schon sagst man kann ja drüber reden aber dieses Bewusstsein muss halt da sein.
00:49:52: Es ist doch verherrmt.
00:49:53: also wie kann man Entscheidungen treffen ohne überhaupt sich klarzumachen?
00:49:57: Was sind denn überhaupt die Grundlagen dieser Entscheidung?
00:50:00: Da kann ich gleich zum Blindflug starten!
00:50:04: Vielen, vielen Dank dir.
00:50:04: Ich glaube wir müssen tatsächlich irgendwann mal noch ein paar zwei machen, wo wir so ein paar Themen vertiefen... Gerne
00:50:09: die zweite Auflage des Buches kommt bald.
00:50:11: also...
00:50:12: Ja dann optimal!
00:50:12: Du hast gesagt es gibt noch einige Projekte, die du vorhast, dann können wir darüber auch gerne widersprechen.
00:50:16: Nee wirklich vielen, vielen dank für deine wirklich super wichtige Arbeit und du schaffst es tatsächlich gut mehrere Generationen anzusprechen.
00:50:22: Also habe ich ja schon gesagt meine Eltern sind große Fans und ich schaue auch gerne bergaufwerkab.
00:50:26: von daher...
00:50:27: Wovon würd ich?
00:50:27: Danke!
00:50:28: Mach's weiter, vielen danke!
00:50:29: Danke sehr gern.
00:50:30: Das war die Interviewfolge mit Dr.
00:50:32: Georg Bayerle.
00:50:33: Ich bin immer Fan davon, wenn nicht nur Missstände aufgezeigt sondern auch direkt Lösungsansätze oder Denkanstöße mit präsentiert werden.
00:50:40: Und genau das macht Georg nicht nur in seinem Buch, sondern hat es auf seine unverkennbare Art und Weise wieder in diesem Podcast getan!
00:50:47: Ich hoffe euch regt dieses Gespräch genauso zum Nachdenken an wie mich.
00:50:51: Wenn euch der Bergzeit-Podcast gefällt dann lasst gerne ein Abo und eine Bewertung da um keine Folge mehr zu verpassen.
00:50:56: wir hören uns dann wieder in zwei Wochen bei den nächsten Folge des Bergzeit podcast.
00:51:00: Ich wünsche euch eine schöne Bergzeit bis dahin.
00:51:02: Passt gut auf euch auf!
00:51:03: Ciao ciao, euer Jan.
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